Die jährliche Überprüfung, die grenzüberschreitende Vermögenswerte unter Kontrolle hält
Grenzüberschreitend Reichtum Es kommt selten vor, dass die Organisation in einem einzigen, erkennbaren Moment aus den Fugen gerät. Häufiger driftet es einfach dahin. Ein Familienmitglied wechselt den Wohnort, ein Unternehmen bleibt bestehen, obwohl sein ursprünglicher Zweck nicht mehr gegeben ist, ein Engagement am privaten Markt wird hinzugefügt, ohne die Liquiditätsprognose anzupassen, ein altes Bankmandat läuft weiter, weil niemand es überprüft hat, oder ein Berater bewahrt noch immer Dokumente auf, die nie in die zentrale Akte der Familie übernommen wurden.
Jeder einzelne Punkt mag für sich genommen überschaubar sein. In ihrer Gesamtheit können sie jedoch dazu führen, dass das Lagebild weniger zuverlässig ist, als es den Anschein hat.
Für internationale Familien, die die Schweiz als Zentrum für ihre Vermögensverwaltung nutzen, ist eine jährliche Überprüfung keine reine Verwaltungsaufgabe. Es handelt sich vielmehr um eine Kontrollmassnahme. Schweizer Bankbeziehungen bieten zwar Stabilität, Verwahrung, Anlageverwaltung, Kreditvergabe und Zugang zu einem ausgereiften Beratungsumfeld, doch Familienvermögen, Erben, Strukturen und Verpflichtungen sind oft über mehrere Rechtsordnungen verteilt. Ein Schweizer Bericht mag zwar das bankfähige Portfolio klar darstellen, lässt jedoch Immobilien, Unternehmen, Trusts, Stiftungen, Engagements am Privatmarkt und die Liquidität auf Familienebene ausserhalb des Blickfelds.
Dies ist von Bedeutung, da die Schweiz nach wie vor eng mit dem internationalen Privatvermögen verbunden ist. Nach Angaben der Schweizerischen Bankiervereinigung verwalteten die Banken in der Schweiz Ende 2024 Vermögenswerte in Höhe von 9'284 Billionen CHF, nachdem das verwaltete Vermögen im Laufe des Jahres um 10,6 Prozent gestiegen war. Die Größe des Marktes spiegelt die Rolle der Schweiz als grenzüberschreitendes Vermögenszentrum wider, erklärt aber auch, warum gute Unternehmensführung nicht beim Kontoauszug enden darf. Internationale Familien können Konten in der Schweiz unterhalten und gleichzeitig Geschäftsinteressen, Wohnsitze, Begünstigte und Meldepflichten an anderen Orten haben.
Die jährliche Bestandsaufnahme ist der richtige Zeitpunkt, um zu hinterfragen, ob die Strukturen der Familie noch der tatsächlichen Situation entsprechen.
Beginnen Sie mit der Asset-Karte
Als Erstes sollte die Übersicht über die grenzüberschreitenden Vermögenswerte geprüft werden. Falls die Familie noch keine solche Übersicht hat, sollte die jährliche Überprüfung mit deren Erstellung beginnen.
Die Übersicht sollte alle materiellen Vermögenswerte, Verbindlichkeiten, rechtlichen Eigentümer, gegebenenfalls wirtschaftliche Eigentümer, Verwahrer, Währungen, Bewertungsgrundlagen, Liquiditätsbedingungen, Steuerberater, Rechtsberater und wichtige Dokumente enthalten. Sie sollte bankfähige Vermögenswerte umfassen, sich jedoch nicht ausschließlich auf diese beschränken. Immobilien, operative Gesellschaften, Private-Equity-Fonds, Direktinvestitionen, Kunst, Versicherungen, Familiendarlehen, Bürgschaften, Treuhandgesellschaften, Stiftungen und gemeinnützige Einrichtungen gehören ebenfalls dazu.
Im Rahmen der jährlichen Überprüfung sollte geprüft werden, ob die Übersicht noch aktuell ist. Wurden neue Konten eröffnet? Wurde eine Immobilie gekauft, verkauft oder refinanziert? Hat ein privater Fonds weiteres Kapital abgerufen? Hat sich die Bewertung einer Direktinvestition geändert? Ist ein Unternehmen inaktiv geworden? Wurde eine Struktur überprüft, da sich der Wohnsitz, das Geschäftsprofil oder das Nachfolgeprofil der Familie geändert hat?
Eine aussagekräftige Bestandsaufnahme unterscheidet zwischen drei Kategorien: bestätigte Informationen, Informationen, die aktualisiert werden müssen, und ungeklärte Fragen. Eine Bestandsaufnahme, in der fehlende Dokumente, veraltete Bewertungen oder unklare Eigentumsverhältnisse offen gekennzeichnet sind, ist wertvoller als eine, die ein künstliches Gefühl von Ordnung vermittelt.
Für eine Familie, die die Schweiz als Drehscheibe nutzt, sollte bei der Überprüfung auch geprüft werden, ob sich die Sichtweise der Bank und die der Familie insgesamt auseinanderentwickelt haben. Selbst wenn der Bankbericht korrekt ist, aber grosse, nicht bankfähige Vermögenswerte ausser Acht lässt, trifft die Familie möglicherweise weiterhin Entscheidungen auf der Grundlage eines unvollständigen Bildes.
Überprüfen Sie Ihren Steuerwohnsitz, bevor sich daraus Konsequenzen ergeben
Der Steuerwohnsitz ist einer der wichtigsten Punkte bei der jährlichen Überprüfung, da er sich unbemerkt ändern kann. Ein Familienmitglied verbringt mehr Zeit in einem Land als erwartet. Ein Kind beginnt, im Ausland zu arbeiten. Ein Ehepartner erhält einen neuen Aufenthaltsstatus. Ein Auftraggeber zieht in die Schweiz, behält aber weiterhin die Kontrolle über Unternehmen oder Strukturen an anderen Orten. Diese Entwicklungen mögen persönlich oder rein organisatorisch erscheinen, können jedoch rechtliche und steuerliche Konsequenzen haben.
Im Rahmen der Überprüfung sollte ermittelt werden, wo jedes relevante Familienmitglied seinen Wohnsitz hat, ob sich dieser im Laufe des Jahres geändert hat und ob für geplante Umzüge vor deren Durchführung eine Beratung erforderlich ist. Außerdem sollte überprüft werden, ob die Angaben zu den kontrollierenden Personen, die Aufzeichnungen über die wirtschaftlich Berechtigten und die Kontokategorisierungen weiterhin korrekt sind.
Dies ist im Schweizer Kontext besonders wichtig, da die Schweiz am automatischen Austausch von Informationen aus dem Finanzbereich teilnimmt. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen führt die Liste der AEOI-Partnerstaaten der Schweiz, und die meldepflichtigen Schweizer Finanzinstitute handeln im Rahmen dieser Vorgaben. Die praktischen Auswirkungen für Familien sind nicht alarmierend, sondern rein verfahrenstechnischer Natur. Die Unterlagen müssen den korrekten Wohnsitz, die kontrollierenden Personen und die Meldeklassifizierungen bereits vor dem Informationsaustausch widerspiegeln – und nicht erst, nachdem ein Fehler korrigiert werden muss.
Eine Familie sollte zudem festlegen, welcher Berater für die jeweilige Rechtsordnung zuständig ist. Ein Schweizer Steuerberater mag zwar hervorragende Kenntnisse in Bezug auf den Wohnsitz in der Schweiz und kantonale Aspekte haben, doch eine Immobilie im Vereinigten Königreich, ein Begünstigter mit Bezug zu den USA, ein in Frankreich ansässiges Kind oder geschäftliche Interessen in Italien erfordern möglicherweise eine gesonderte Beratung. Bei der jährlichen Überprüfung sollte klargestellt werden, wer die Koordination dieser Berater übernimmt, damit nicht jeder auf der Grundlage einer anderen Version der familiären Sachlage arbeitet.
Bankbeziehungen nach Funktionen überprüfen
Bankbeziehungen bestehen oft einfach deshalb weiter, weil sie vertraut sind. Das mag durchaus nachvollziehbar sein, doch jede Beziehung sollte dennoch einen klar definierten Zweck haben.
Bei der jährlichen Überprüfung sollte geprüft werden, welche Rolle die jeweilige Bank spielt. Handelt es sich um die Hauptverwahrstelle, die kreditgebende Bank, den Anlageverwalter, das Transaktionskonto, die Quelle für den Privatmarkt, den geografischen Zugangspunkt oder eine langjährige Geschäftsbeziehung? Erfüllt die Bank diese Funktion nach wie vor zufriedenstellend? Sind Gebühren, Tagesgeldsätze, Devisenspreads, Depotgebühren, die Mandatsperformance und die Kreditbedingungen weiterhin wettbewerbsfähig? Sind Vermögenswerte verpfändet, und ist sich die Familie der Konsequenzen einer solchen Verpfändung unter Marktbelastungen bewusst?
Bei Familien mit mehreren Bankbeziehungen in der Schweiz und im Ausland sollte im Rahmen der Überprüfung auch auf Doppelungen geachtet werden. Es kann vorkommen, dass mehrere Banken ähnliche globale Aktienengagements, sich überschneidende strukturierte Produkte oder Fonds aus dem Privatmarkt mit ähnlichen zugrunde liegenden Risiken halten. Jede Bank stellt ihr eigenes Portfolio möglicherweise als diversifiziert dar, während die konsolidierte Sicht auf das Familienportfolio eine Konzentration aufzeigt.
Da die Schweiz ein bedeutender Standort für das Privatbankengeschäft ist, unterhält manche Familie naturgemäß mehrere Bankbeziehungen in der Schweiz. Dabei geht es nicht um die Anzahl der Banken, sondern darum, ob jede einzelne Beziehung einen Zweck erfüllt und ob die Familie den Gesamtumfang ihrer Engagements, ihre Liquidität und die damit verbundenen Kosten überblicken kann.
Die jährliche Überprüfung sollte zu Entscheidungen führen. Die Rolle jeder Bankbeziehung sollte beibehalten, neu verhandelt, konsolidiert, reduziert oder neu zugewiesen werden. Jede Beziehung unverändert zu lassen, sollte eine bewusste Entscheidung sein und nicht das automatische Ergebnis der Vermeidung eines schwierigen Gesprächs.
Liquidität in der Praxis – Ein Überblick
Die Liquidität sollte jedes Jahr überprüft werden, da sie oft missverstanden wird. Eine Familienbilanz mag zwar umfangreich sein, doch die verfügbare Liquidität ist oft deutlich geringer, als die Gesamtzahl vermuten lässt.
Bei der Überprüfung sollten Bruttowert, Nettowert und verfügbare Liquidität voneinander getrennt betrachtet werden. Dabei sind Barmittel, liquide Wertpapiere, verpfändete Vermögenswerte, Kreditlinien, Steuerrückstellungen, erwartete Ausschüttungen, Kapitalabrufverpflichtungen, fällige Verbindlichkeiten, Immobilienkosten, Ausschüttungen an Familienangehörige, Verpflichtungen im Rahmen philanthropischer Aktivitäten sowie Lebenshaltungskosten zu erfassen.
Angesichts der Engagements auf dem privaten Markt ist dies besonders wichtig. Der Nettoinventarwert eines Fonds ist nicht gleichbedeutend mit Liquidität. Eine nicht finanzierte Verpflichtung ist nicht allein deshalb theoretischer Natur, weil der Kapitalabruf noch nicht erfolgt ist. Eine Direktinvestition kann zwar eine attraktive Bewertung aufweisen, aber keinen klaren Ausstiegsweg bieten.
Nehmen wir eine Familie, deren Kontoauszug ein beträchtliches liquides Portfolio in der Schweiz ausweist. Wenn ein Teil dieses Portfolios als Sicherheit für einen Lombardkredit verpfändet ist, ein weiterer Teil für Steuern und Kapitalabrufe reserviert ist und innerhalb von zwölf Monaten eine Immobilientransaktion erwartet wird, kann die tatsächlich frei verfügbare Liquidität weitaus geringer sein, als der Kontoauszug vermuten lässt. Die jährliche Überprüfung sollte dies aufzeigen, bevor die Familie neue Investitionen, Ausschüttungen oder größere Anschaffungen genehmigt.
Eine gute Liquiditätsplanung ist nicht um ihrer selbst willen konservativ. Sie schützt die Familie davor, zum falschen Zeitpunkt das falsche Vermögen verkaufen zu müssen.
Übersicht über Strukturen und deren Zweck
Trusts, Stiftungen, Holdinggesellschaften, Personengesellschaften und familiäre Anlagevehikel werden oft für einen bestimmten Anlass gegründet. Die Familie verkauft ein Unternehmen, zieht um, bereitet die Nachfolge vor, trennt Betriebs- und Anlagevermögen, richtet ein gemeinnütziges Vehikel ein oder führt eine Governance-Struktur für mehrere Erben ein. Im Laufe der Zeit kann der ursprüngliche Zweck in den Hintergrund treten, während die Struktur bestehen bleibt.
Bei der jährlichen Überprüfung sollte eine einfache, aber oft vernachlässigte Frage gestellt werden: Erfüllt jede Struktur noch einen klaren Zweck?
Für jede Einheit oder Struktur sollte die Familie die maßgeblichen Urkunden, den Verwalter, die Treuhänder oder Vorstandsmitglieder, die Zeichnungsberechtigten, die Bankkonten, die Rechnungslegungspflichten, die Steuererklärungen, die Berichtspflichten, die gehaltenen Vermögenswerte und die wesentlichen Entscheidungsbefugnisse überprüfen. Außerdem sollte sie prüfen, ob die Protokolle des Vorstands oder der Treuhänder auf dem neuesten Stand sind und ob Ausschüttungen, Darlehen oder Transaktionen ordnungsgemäß dokumentiert wurden.
Dies ist für Familien von Bedeutung, die die Schweiz als Standort nutzen, da Strukturen möglicherweise bereits vor dem Wohnsitz in der Schweiz, vor einem Liquiditätsereignis, vor Erreichen der Volljährigkeit der Erben oder vor einer Änderung der Steuer- und Meldevorschriften geschaffen wurden. Eine Struktur, die unter bestimmten Umständen sinnvoll war, kann nach wie vor wirksam sein. Sie kann aber auch eine Überarbeitung, Vereinfachung oder Auflösung erfordern.
Bei der Überprüfung sollten Strukturen nicht als Beweis für Ausgereiftheit gewertet werden. Eine Struktur, die niemand versteht, die niemand überprüft und die niemand eindeutig begründen kann, ist kein Gewinn. Sie ist eine potenzielle Quelle künftiger Kosten.
Überprüfung der Verpflichtungen auf dem privaten Markt
Private Equity, Private Credit, Risikokapital, Infrastruktur und Direktgeschäfte erfordern eine eigene jährliche Berichterstattung. Sie sind in der Standardberichterstattung der Banken nicht immer ersichtlich, und selbst wenn dies der Fall ist, können die Daten verzögert oder unvollständig sein.
Im Rahmen der jährlichen Überprüfung sollten die Zusagen jedes Fonds, das abgerufene Kapital, der nicht gedeckte Betrag, der aktuelle Nettoinventarwert, die Ausschüttungen, der Bewertungsstichtag, die Berichtswährung, die erwartete Laufzeit, die Steuerunterlagen und der zuständige Berater aktualisiert werden. Zudem sollten das Engagement nach Emissionsjahr, die Managerkonzentration, das Sektorenengagement und die Liquiditätserwartungen berücksichtigt werden.
Bei Direktinvestitionen sollte im Rahmen der Prüfung untersucht werden, ob die Familie Informationsrechte, Rechte im Vorstand, Folgeverpflichtungen, ein Verwässerungsrisiko oder ungeklärte rechtliche Fragen hinsichtlich der Dokumentation hat. Zudem sollte geprüft werden, ob die Bewertung auf einer externen Transaktion, einer Schätzung des Managers, geprüften Abschlüssen oder einer internen Einschätzung basiert.
An dieser Stelle stellen Familien oft fest, dass die Aufteilung auf dem privaten Markt komplexer ist, als es der in den Schlagzeilen genannte Prozentsatz vermuten lässt. Ein Portfolio mag zwar nach Anlageklassen ausgewogen erscheinen, ist jedoch möglicherweise hinsichtlich des Fondsmanagers, des Auflegungsjahres, des Sektors oder des Liquiditätsprofils konzentriert.
Bei der jährlichen Überprüfung sollte nicht nur die Frage im Vordergrund stehen, ob sich die privaten Investitionen gut entwickelt haben. Vielmehr sollte geprüft werden, ob die Familie noch einen Überblick darüber hat, welche Mittel bereits gebunden sind, welche noch bereitgestellt werden müssen und wann wieder Liquidität zur Verfügung stehen könnte.
Berater und Mandate prüfen
Eine Beraterübersicht und eine Vermögensübersicht sind eng miteinander verbunden. Sobald die Familie einen Überblick über ihr Vermögen gewonnen hat, sollte sie auch prüfen, wer für die einzelnen Bereiche zuständig ist.
Die jährliche Überprüfung sollte Privatbanken, externe Vermögensverwalter, Steuerberater, Rechtsanwälte, Treuhandspezialisten, Treuhänder, Wirtschaftsprüfer, Anbieter von Berichterstellungsdienstleistungen, Versicherungsberater, Immobilienverwalter, Philanthropieberater sowie Anbieter von Cybersicherheits- oder Technologiedienstleistungen umfassen. Für jeden dieser Partner sollte die Familie über das Mandat, die Gebührenstruktur, den zuständigen Ansprechpartner, die vorliegenden Unterlagen, Interessenkonflikte, die Verlängerungsbedingungen und den Überprüfungstermin informiert sein.
In der Schweiz kann diese Überprüfung auch externe Vermögensverwalter und Treuhänder umfassen. Die FINMA legt fest, dass Portfoliomanager und Treuhänder, die im Rahmen der entsprechenden Vorschriften tätig sind, persönliche, finanzielle und organisatorische Anforderungen erfüllen und eine Bewilligung einholen müssen. Die Bewilligung ist kein Ersatz für eine qualitative Sorgfaltsprüfung, sondern Teil des grundlegenden Überprüfungsprozesses. Familien sollten sich vergewissern, dass die betreffenden Anbieter weiterhin ordnungsgemäß zugelassen sind und dass die jeweilige Geschäftsbeziehung nicht ohne Kontinuitätsplanung von einer einzigen Person abhängig ist.
Bei der Überprüfung sollten auch Doppelungen ermittelt werden. Es kann vorkommen, dass zwei Berater sich überschneidende Berichte erstellen. Mehrere Banken schlagen möglicherweise ähnliche Produkte vor. Ein Anwalt weiß möglicherweise nicht, dass ein anderer ein damit zusammenhängendes Dokument überarbeitet hat. Ein Treuhänder verwaltet möglicherweise eine Struktur, während der Steuerberater bei Ausschüttungen nicht konsultiert wird.
Ziel der Überprüfung ist es nicht, den Beraterstamm unnötig zu verkleinern. Vielmehr soll sichergestellt werden, dass jeder Berater eine klare Rolle hat und dass jemand die gesamte Struktur koordiniert.
Überprüfung der Governance und der Informationsrechte
Die Familienführung kann sich ebenso still und leise verändern wie die finanziellen Strukturen. Kinder werden erwachsen. Ein Familienmitglied steigt in das operative Geschäft ein. Ein anderes zieht ins Ausland. Ein Ehepartner engagiert sich stärker. Ein Gründer delegiert mehr Entscheidungen. Philanthropische Interessen entwickeln sich. Investitionsausschüsse bilden sich informell, noch bevor jemand die Zuständigkeiten festlegt.
Bei der jährlichen Überprüfung sollte geprüft werden, ob die Entscheidungsbefugnisse noch der tatsächlichen Situation der Familie entsprechen. Wer kann Investitionen genehmigen? Wer kann Anweisungen an Banken erteilen? Wer erhält Berichte? Wer hat Zugriff auf rechtliche Dokumente? Wer genehmigt Ausschüttungen, Schenkungen oder Darlehen zwischen Familienmitgliedern? Wer nimmt an Familientreffen teil? Wer protokolliert die Beschlüsse?
Das Recht auf Information verdient besondere Beachtung. Die nächste Generation benötigt zwar Aufklärung und Transparenz, doch das bedeutet nicht, dass jedes Familienmitglied uneingeschränkten Zugriff auf alle Dokumente haben sollte. Eine Familie kann gestaffelte Zugriffsrechte einrichten: Informationen zur Anlagebildung, zusammenfassende Berichte, Informationen auf Zweigstellenebene, Dokumente zur Unternehmensführung oder uneingeschränkten Zugriff für Personen mit offiziellen Funktionen.
Bei der Überprüfung sollten auch die Themen Handlungsunfähigkeit und Nachfolge berücksichtigt werden. Sind die Vollmachten noch aktuell? Sind Testamente, Wunscherklärungen, Gesellschaftervereinbarungen und Familienverfassungen auf die aktuelle Vermögensstruktur abgestimmt? Wüsste die Familie, was zu tun ist, falls der Vollmachtgeber handlungsunfähig werden sollte? Welche Berater würden als Erste kontaktiert werden?
Governance lässt sich am einfachsten vor einer Krise verbessern.
Dokumente, Daten und digitalen Zugang prüfen
Eine moderne Überprüfung der Vermögensstruktur sollte Dokumente und Daten umfassen. Eine Familie mag zwar über hervorragende Berater verfügen, sich aber dennoch auf private E-Mail-Postfächer, veraltete Ordner, ungesicherte Dateiübertragungen oder unvollständige Dokumentenverzeichnisse verlassen.
Im Rahmen der jährlichen Überprüfung sollte ermittelt werden, wo sich die Originaldokumente befinden, wer Zugriff darauf hat, wie die Datensicherung gehandhabt wird und welche Dokumente fehlen. Dazu gehören Testamente, Treuhandurkunden, Gründungsurkunden, Handelsregisterauszüge, Gesellschaftervereinbarungen, Darlehensverträge, Versicherungspolicen, Grundbuchauszüge, Provenienzaufzeichnungen für Kunstwerke, Steuergutachten, Anlageverträge und Vollmachten.
Das revidierte Schweizer Bundesgesetz über den Datenschutz ist seit dem 1. September 2023 in Kraft und schützt die Persönlichkeit und die Grundrechte natürlicher Personen, deren Personendaten bearbeitet werden. Für Familien und Family Offices, die mit sensiblen persönlichen, finanziellen und rechtlichen Informationen umgehen, ist Data Governance nicht nur eine IT-Frage. Sie ist Teil des Risikomanagements im Privatkundenbereich.
Wenn das Family Office oder die Berater Cloud-Systeme, KI-Tools oder Plattformen für die konsolidierte Berichterstattung nutzen, sollte im Rahmen der Überprüfung geklärt werden, wo die Daten gehostet werden, wer darauf zugreifen kann, ob Drittanbieter beteiligt sind, wie die Zugriffsrechte verwaltet werden und wie die Daten exportiert werden können, falls der Anbieter wechselt.
Eine Familie, die keinen Zugriff auf ihre eigenen Unterlagen hat oder nicht weiß, wer Zugriff darauf hat, hat ein Governance-Problem, selbst wenn sich das Anlageportfolio gut entwickelt.
Überprüfung der Versicherungs- und Sicherheitsvorkehrungen sowie der Notfallplanung
Versicherungen und Notfallplanung werden leicht aufgeschoben, da sie selten als dringend empfunden werden, bis sie tatsächlich benötigt werden. Die jährliche Überprüfung sollte Sachversicherungen, Kunstversicherungen, Lebensversicherungen, Haftpflichtversicherungen für Vorstandsmitglieder und Führungskräfte, gegebenenfalls Cyberversicherungen, Haftpflichtversicherungen, Risiken im Zusammenhang mit Schlüsselpersonen sowie Sicherheitsvorkehrungen umfassen.
Für Familien mit Immobilien, Mitarbeitern, öffentlicher Präsenz, operativen Gesellschaften oder umfangreichen digitalen Aufzeichnungen sollte die Überprüfung über die bloße Verlängerung der Police hinausgehen. Sind die Versicherungssummen aktuell? Wurden neue Kunstwerke, Schmuckstücke oder Vermögenswerte hinzugefügt? Sind die Sicherheitsprotokolle auf dem neuesten Stand? Sind die Verfahren zur Zahlungsfreigabe robust? Sind die Mitarbeiter darin geschult, Betrugsversuche zu erkennen? Gibt es einen Plan für den Fall, dass ein Familienmitglied, ein Berater oder eine Führungskraft ausfällt?
Es geht nicht darum, Ängste zu schüren. Vielmehr soll die Anzahl der Entscheidungen verringert werden, die unter Druck getroffen werden müssen.
Was das Jahresrückblick bringen sollte
Eine ordnungsgemäße Jahresbeurteilung sollte mehr als nur ein Protokoll der Besprechung ergeben. Sie sollte zu einem kurzen Aktionsplan führen.
Dieser Plan könnte unter anderem die Schließung eines ruhenden Unternehmens, die Aktualisierung der Unterzeichner, die Neuverhandlung eines Bankmandats, die Überprüfung eines Treuhandvertrags, die Konsolidierung der Berichterstattung, die Klärung des steuerlichen Wohnsitzes, die Aktualisierung von Vollmachten, die Dokumentation von Familiendarlehen, die Überprüfung von Verpflichtungen auf dem Privatmarkt, die Änderung von Dokumentenberechtigungen oder die Benennung eines Beraters zur Koordinierung einer grenzüberschreitenden Angelegenheit umfassen.
Der Aktionsplan sollte darlegen, wer verantwortlich ist, was zu tun ist, welche Berater beteiligt sind und bis wann dies geschehen soll. Ohne Zuständigkeiten und Fristen wird die Überprüfung eher zu einer Diskussion als zu einem Kontrollprozess.
Die Familie sollte zudem protokollieren, was überprüft wurde und was unverändert blieb. Manchmal ist die wertvollste Entscheidung die Bestätigung, dass eine Struktur weiterhin angemessen ist, eine Bankbeziehung nach wie vor ihren Zweck erfüllt oder eine Liquiditätsreserve unangetastet bleiben sollte.
So sieht es gut aus
Eine gut durchgeführte jährliche Überprüfung der Vermögensstruktur verschafft der Familie einen klareren Überblick über die Lage. Die Vermögensübersicht ist auf dem neuesten Stand. Steuerlicher Wohnsitz und Meldeklassen werden überprüft. Die Bankbeziehungen sind klar geregelt. Die Liquidität wird geprüft, bevor Verpflichtungen eingegangen werden. Die Strukturen erfüllen nach wie vor ihren Zweck. Das Engagement auf dem Privatmarkt wird nachverfolgt. Berater verfügen über klare Mandate. Die Dokumente sind für die richtigen Personen zugänglich. Die Unternehmensführung spiegelt die Familie so wider, wie sie heute ist – und nicht, wie sie vor fünf Jahren war.
Für internationale Familien, die die Schweiz als Drehscheibe nutzen, ist diese Disziplin die Voraussetzung dafür, dass das Schweizer Fachwissen richtig zum Tragen kommen kann. Eine Privatbank, ein Treuhänder, ein externer Vermögensverwalter oder ein Steuerberater kann nur dann fundierte Beratung leisten, wenn die zugrunde liegenden Fakten korrekt und aktuell sind.
Die Überprüfung muss nicht dramatisch ausfallen. Ihr Wert liegt darin, Drama zu verhindern. Sie deckt Abweichungen auf, bevor sie zu Streitigkeiten führen, Illiquidität, bevor sie zu Druck wird, und veraltete Strukturen, bevor deren Abwicklung kostspielig wird.
Ein komplexes Vermögen bleibt nicht deshalb gut organisiert, weil einmal hervorragende Berater beauftragt wurden. Es bleibt gut organisiert, weil jemand kontinuierlich überprüft, ob die Struktur noch zu den Bedürfnissen der Familie passt.


