Grenzüberschreitendes Vermögen

Die Risiken, die in mehreren Bankbeziehungen verborgen sind

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Mehrere Bankbeziehungen können wie eine umsichtige Diversifizierung wirken. Für internationale Familien, was häufig der Fall ist. Eine Bank übernimmt möglicherweise die Verwahrung und die diskretionäre Vermögensverwaltung, eine andere bietet Kreditgeschäfte an, eine dritte unterhält möglicherweise eine langjährige Beziehung zum Auftraggeber, während eine vierte den Zugang zu einer bestimmten Rechtsordnung, Währung oder einer Anlagechance auf dem Privatmarkt ermöglicht. Nach dem Wegfall der Credit Suisse als unabhängiges Institut wurden sich viele Privatkunden zudem der Konzentration auf einzelne Gegenparteien und der Notwendigkeit bewusst, sich nicht zu stark von einem einzigen Namen abhängig zu machen.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass mehrere Banken eine andere Art von Konzentration hervorrufen können: nicht in einem einzigen Institut, sondern in der Unfähigkeit der Familie, sich einen klaren Überblick über die Gesamtposition zu verschaffen. Jede Bank meldet die von ihr gehaltenen Vermögenswerte. Jede hat ihr eigenes Klassifizierungssystem, ihre eigene Gebührenordnung, ihre eigene Anlageterminologie, ihre eigenen Verwahrungsvereinbarungen und Kreditbedingungen. Die eine Bank bezeichnet eine Position vielleicht als „Alternativanlagen“, eine andere als „Private Markets“ und wieder eine andere als „strukturierte Lösungen“. Ein Kundenbetreuer spricht möglicherweise nur über die Liquidität innerhalb des bei dieser Bank gehaltenen Portfolios, während ein anderer davon ausgeht, dass die Familie anderweitig über ausreichende Barmittel verfügt. Ein Produkt mag innerhalb eines Mandats diversifiziert erscheinen, überschneidet sich jedoch möglicherweise mit einem Engagement, das bereits über ein anderes Institut gehalten wird.

Für Familien, die die Schweiz als Zentrum für ihre Vermögensverwaltung nutzen, ist diese Frage besonders relevant. Die Schweiz ist nach wie vor einer der weltweit größten Standorte für grenzüberschreitendes Privatvermögen. Die Banken des Landes verwalteten Ende 2024 ein Vermögen von 9,284 Billionen CHF, nachdem das verwaltete Vermögen im Laufe des Jahres um 10,6 Prozent gestiegen war. Dieser Markt bietet Tiefe, Auswahl und institutionelles Fachwissen, doch diese Fülle kann es Privatkunden auch erleichtern, eine Bankarchitektur aufzubauen, die eher historisch als strategisch gewachsen ist.

Mehrere Beziehungen sollten daher nicht als Zeichen von Komplexität an sich betrachtet werden, sondern als eine Struktur, die einer Steuerung bedarf.

Diversifizierung ist nicht dasselbe wie Fragmentierung

Es gibt gute Gründe, mehr als eine Privatbank zu nutzen. Die Diversifizierung der Geschäftspartner ist einer davon. Kein Family Office möchte, dass die gesamte Verwahrung, die Liquidität, die Kreditvergabe und die Verwaltung von einer einzigen Institution abhängen. Verschiedene Banken können zudem unterschiedliche Stärken aufweisen: Eine mag besonders stark im Lombardkreditgeschäft sein, eine andere in der Anlageforschung, eine weitere im Zugang zu privaten Märkten, während eine andere wegen der Transaktionsbequemlichkeit oder einer langjährigen familiären Beziehung beibehalten wird.

Das ist alles nachvollziehbar. Die Frage ist jedoch, ob jede Beziehung eine klar definierte Funktion hat. Ohne diese Disziplin wird die Diversifizierung im Bankgeschäft zur Zersplitterung. Die Familie erhält mehrere sorgfältig aufbereitete Berichte, aber keinen konsolidierten Überblick. Die Gebühren werden bankweise und nicht auf Familienebene berechnet. Angebote aus dem Privatmarkt werden einzeln und nicht im Verhältnis zu den Gesamtverpflichtungen geprüft. Kreditvergaben werden separat ausgehandelt, während niemand den Überblick darüber hat, wie viel vom liquiden Portfolio der Familie bei verschiedenen Instituten als Sicherheit hinterlegt ist.

Ein nützlicher Test ist ganz einfach: Wenn jede Bank morgen aus der Struktur verschwinden würde, welche Funktion ginge dann verloren? Verwahrung, Kreditvergabe, Vermögensverwaltung, geografischer Zugang, Transaktionsbankgeschäft, Kontinuität in der Familie, Beschaffung auf dem Privatmarkt oder etwas anderes? Ist die Antwort vage, handelt es sich bei der Beziehung möglicherweise eher um eine historische als um eine strategische.

Die Schweiz bietet Auswahlmöglichkeiten, verlangt aber auch klare Rollenverteilung

Der Schweizer Bankenmarkt ist auch nach der Konsolidierung weiterhin breit gefächert. Die Schweizerische Nationalbank berichtete, dass die Zahl der Banken in der Schweiz im Jahr 2024 von 236 auf 230 zurückgegangen sei, während die Schweizerische Bankiervereinigung feststellte, dass fast 100 ausländisch kontrollierte Banken im Land tätig sind. Für internationale Familien ergibt sich daraus eine breite Palette möglicher Beziehungen: Universalbanken, Kantonalbanken, Privatbanken, ausländisch kontrollierte Banken, externe Vermögensverwalter, die mit Depotbanken zusammenarbeiten, sowie Spezialanbieter.

Auswahlmöglichkeiten sind wertvoll, können jedoch zur Anhäufung von Konten führen. Eine Familie behält vielleicht eine Bank aus Tradition bei, eine andere wegen eines langjährigen Kundenbetreuers, eine weitere, weil sie von einem Anwalt empfohlen wurde, und eine weitere, weil sie bei einer Immobilientransaktion attraktive Kreditkonditionen bot. Im Laufe der Zeit spiegelt diese Struktur möglicherweise nicht mehr den aktuellen Wohnort der Familie, ihre Vermögensbasis, ihre Anforderungen an die Unternehmensführung oder die Pläne für die nächste Generation wider.

Im Schweizer Kontext ist dies besonders wichtig, da viele Privatkunden die Schweiz als zentrale Anlaufstelle für Buchungen oder Beratung nutzen, während sie Vermögenswerte, Unternehmen, Erben und Verpflichtungen an anderen Orten halten. Eine Bankbeziehung in der Schweiz mag zwar für das finanzielle Leben der Familie von zentraler Bedeutung sein, gibt jedoch möglicherweise nur Aufschluss über die bei diesem Institut gehaltenen bankfähigen Vermögenswerte.

Bei der jährlichen Überprüfung der Banken sollte daher folgende Frage gestellt werden: Welche Rolle spielt jede einzelne Geschäftsbeziehung innerhalb der Gesamtarchitektur, und wer hat Einblick in das Gesamtergebnis?

Das erste versteckte Risiko: Doppelte Exposition

Jede Bank kann ein breit gefächertes Portfolio vorweisen. Das Portfolio der Familie könnte dennoch konzentriert sein.

Dies ist eine der häufigsten Schwachstellen bei Strukturen mit mehreren Banken. Ein globaler Aktienfonds bei einer Bank, ein Mandat mit Ermessensspielraum bei einer anderen, ein technologieorientiertes strukturiertes Produkt bei einer dritten und ein Private-Equity-Fonds mit Engagement in ähnlichen Unternehmen mögen für sich genommen alle sinnvoll sein. Zusammen können sie jedoch zu einem erheblichen Engagement in demselben Sektor, derselben Region, derselben Währung oder demselben Marktfaktor führen.

Das Problem wird noch komplexer, wenn Produkte unterschiedlich bezeichnet werden. Eine Bank stuft eine strukturierte Anleihe möglicherweise als „Renditeoptimierung“ ein, während eine andere ein ähnliches wirtschaftliches Risiko im Bereich „Alternative Anlagen“ ausweist. Ein Fonds für den Privatmarkt kann Unternehmen aus demselben Sektor halten wie das operative Unternehmen der Familie. Ein thematischer Fonds kann Positionen duplizieren, die bereits in globalen Aktienindizes enthalten sind.

Aus diesem Grund ist eine konsolidierte Berichterstattung so wichtig. Die Familie muss einen Überblick über die Risiken nach Emittent, Sektor, Region, Währung, Fondsmanager, Anlagestrategie und Liquidität erhalten – und nicht nur nach Bankbeziehung. Ohne diesen Überblick könnte die Diversifizierung eher rein theoretischer Natur sein als wirklich real.

Es geht nicht darum, Überschneidungen vollständig zu beseitigen. Ein gewisses Maß an Überschneidungen ist unvermeidbar und akzeptabel. Es kommt vielmehr darauf an, zu erkennen, wann Überschneidungen beabsichtigt sind und wann sie sich einfach so angesammelt haben.

Das zweite versteckte Risiko: Liquidität, die nur theoretisch existiert

Durch die Vielzahl der Banken kann die Liquidität größer erscheinen, als sie tatsächlich ist.

Eine Bank verfügt möglicherweise über ein umfangreiches Wertpapierportfolio. Eine andere hält vielleicht Barmittel. Eine dritte stellt möglicherweise eine Kreditlinie zur Verfügung. Die Familie könnte sich daher gut aufgestellt fühlen. Berücksichtigt man jedoch verpfändete Vermögenswerte, Steuerrückstellungen, Verpflichtungen auf dem privaten Markt, Immobilienkosten, erwartete Ausschüttungen und Kreditauflagen, fällt die verfügbare Liquidität möglicherweise geringer aus.

Dies ist besonders wichtig, wenn Lombardkredite in Anspruch genommen werden. Ein bei einer Bank verpfändetes Portfolio mag zwar technisch liquide sein, unterliegt jedoch in der Praxis gewissen Einschränkungen. Bei fallenden Märkten kann die Bank zusätzliche Sicherheiten verlangen, die Kreditvergabekapazität reduzieren oder den Kunden auffordern, seine Verschuldung abzubauen. Eine Familie, die Vermögenswerte bei mehreren Banken verpfändet hat, muss nicht nur die Höhe der einzelnen Kreditlinien kennen, sondern auch die kombinierte Anfälligkeit gegenüber Marktstress.

Verpflichtungen auf dem privaten Markt stellen eine weitere Herausforderung dar. Kapitalabrufe können gerade dann erfolgen, wenn die öffentlichen Märkte schwach sind und die Liquidität am geringsten ist. Wenn jede Bank nur ihr eigenes Portfolio im Blick hat und niemand den Gesamtliquiditätskalender im Blick behält, kann es passieren, dass die Familie sich zu illiquiden Anlagen verpflichtet, die die Bilanz insgesamt nicht problemlos verkraften kann.

Die richtige Frage lautet nicht einfach: “Wie viel liquide Mittel haben wir?”, sondern: “Wie viel davon kann innerhalb von 30, 90 und 365 Tagen verwendet werden, ohne dass dadurch steuerlicher, kreditbezogener oder governancebezogener Druck entsteht?”

Das dritte versteckte Risiko: Gebühren, die isoliert betrachtet werden

Die Kosten im Private Banking lassen sich selten in einer einzigen Zeile zusammenfassen. Depotgebühren, Beratungs- oder Verwaltungsgebühren, Fondskosten, Margen für strukturierte Produkte, Devisenspreads, Transaktionsgebühren, Kreditspreads und Barvergütungen wirken sich alle auf das Gesamtergebnis aus.

Wenn eine Familie mehrere Banken nutzt, werden die Gebühren oft für jede Geschäftsbeziehung einzeln ausgehandelt. Eine Bank mag bei der Verwahrung wettbewerbsfähig erscheinen, ist aber beim Devisenhandel teuer. Eine andere bietet vielleicht attraktive Kreditkonditionen, verwendet dafür aber kostspieligere Anlageprodukte. Eine dritte bietet möglicherweise einen hervorragenden Service, führt aber ein kleines Konto, dessen Gebühren nicht mehr sinnvoll sind.

Die Familie benötigt daher eine umfassende Kostenanalyse. Diese sollte aufzeigen, welche absoluten Kosten jede Bank verursacht und welche Funktion sie erfüllt. Eine kostspieligere Geschäftsbeziehung kann gerechtfertigt sein, wenn sie wertvollen Zugang zu Krediten, Fachwissen oder institutionelle Kontinuität bietet. Eine kostengünstigere Geschäftsbeziehung kann dennoch unattraktiv sein, wenn sie ohne klare Rolle zu operativer Komplexität führt.

Im Rahmen der Überprüfung sollten auch Rückvergütungen, Fondsanteilsklassen, Barzinsen und Produktanreize untersucht werden. Dabei geht es nicht darum, davon auszugehen, dass jede Bankempfehlung mit Interessenkonflikten behaftet ist, sondern darum, sicherzustellen, dass kommerzielle Anreize transparent sind und verstanden werden.

Das vierte versteckte Risiko: Kreditvereinbarungen, die nicht aufeinander abgestimmt sind

Kredite sind einer der Hauptgründe, warum Familien mehrere Bankbeziehungen unterhalten. Eine Bank kann eine Immobilie finanzieren, eine Lombardkreditlinie bereitstellen, eine Anlage-Transaktion unterstützen oder Liquidität gegen ein diversifiziertes Portfolio bereitstellen. Richtig eingesetzt, können Kredite die Notwendigkeit verringern, Vermögenswerte zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu verkaufen.

Wird es ohne einen Gesamtüberblick eingesetzt, kann es zudem zu einer versteckten Anfälligkeit führen.

Jede Bank kann die Sicherheiten im Rahmen ihrer eigenen Geschäftsbeziehung bewerten. Die Familie muss jedoch den Gesamtverschuldungsgrad über alle Institute hinweg überblicken. Wie hoch ist die Kreditaufnahme? Welche Vermögenswerte wurden verpfändet? Was passiert, wenn die Marktwerte um 20 Prozent sinken? Sind die Kreditauflagen an Vermögenswerte, Beleihungsquoten, Liquidität oder Konzentrationsrisiken gekoppelt? Gibt es Cross-Default-Klauseln? Welche Kreditlinien laufen im selben Zeitraum aus?

Eine Familie mit mehreren Kreditlinien hat möglicherweise das Gefühl, diversifiziert zu sein, da nicht eine einzige Bank alle Kredite bereitstellt. Sind jedoch alle Kreditlinien durch miteinander korrelierende Marktwerte besichert, kann ein Stressszenario sie gleichzeitig beeinträchtigen.

Die Kreditübersicht sollte neben der Vermögensübersicht platziert werden. Sie sollte folgende Angaben enthalten: Kreditgeber, Kreditnehmer, Sicherheiten, Währung, Laufzeit, Zinsbedingungen, Vertragsbedingungen, Mechanismen für Margin Calls, Unterzeichner sowie die erforderliche Entscheidung der Familie, bevor weitere Kredite in Anspruch genommen werden können.

Das fünfte versteckte Risiko: Der Schutz der liquiden Mittel wird missverstanden

Bargeld und Wertpapiere sind unter dem Gesichtspunkt des Schutzes nicht gleichzusetzen. In der Schweiz deckt die Einlagensicherung privilegierte Einlagen bis zu 100'000 CHF pro Kunde und Bank ab. In Verwahrung befindliche Wertpapiere werden anders behandelt als Einlagen; sie werden in der Regel aus der Konkursmasse der Bank ausgegliedert und fallen nicht unter die Einlagensicherungsgrenze.

Für Privatkunden kommt es in der Praxis nicht darauf an, dass Schweizer Banken unsicher sind. Vielmehr sollten Bargeld, Wertpapiere, von Banken emittierte Produkte und strukturierte Instrumente nicht als gleichwertige Anlagen betrachtet werden.

Mehrere Bankbeziehungen können den bei einem Institut gehaltenen Liquiditätsüberschuss verringern, jedoch nur, wenn die Familie versteht, was tatsächlich als Bargeld gehalten wird, was in verwahrten Vermögenswerten angelegt ist, was eine Forderung gegenüber der emittierenden Bank darstellt und was als Sicherheit verpfändet ist. Eine von einer Bank emittierte strukturierte Anleihe ist nicht dasselbe wie ein extern verwahrter Aktienfonds. Eine Bareinlage, die über der geschützten Schwelle liegt, ist nicht dasselbe wie getrennte Wertpapiere.

Diese Unterscheidung trat nach der Credit-Suisse-Krise deutlicher zutage. Der Bericht der FINMA zur Credit Suisse beleuchtete die Entwicklung der Bank von 2008 bis 2023 und zog Lehren in Bezug auf Strategie, Risikomanagement und Krisenvorsorge. Die Fusion von UBS und Credit Suisse brachte Stabilität in den Schweizer Finanzplatz, machte Privatkunden jedoch auch deutlich, dass die Wahl der Bank, die Risikokonzentration und die rechtliche Ausgestaltung des Vermögens Beachtung verdienen.

Die Lehre daraus ist nicht, den Banken zu misstrauen, sondern die Risiken richtig einzuschätzen.

Das sechste versteckte Risiko: Abhängigkeit vom Kundenbetreuer

Das Private Banking ist nach wie vor ein Beziehungsgeschäft. Ein starker Kundenbetreuer kann von unschätzbarem Wert sein: reaktionsschnell, diskret, mit fundierten Kenntnissen über das Institut und in der Lage, auf Spezialisten innerhalb der Bank zurückzugreifen. Wenn jedoch das Verständnis der Familie für eine Bankbeziehung zu stark von einer einzigen Person abhängt, entsteht ein Kontinuitätsrisiko.

Kundenbetreuer wechseln den Arbeitsplatz. Banken strukturieren ihre Kundensegmente neu. Nach Fusionen ändern sich die Teams. Servicemodelle entwickeln sich weiter. Was einst wie eine sehr persönliche Beziehung wirkte, kann an Stabilität verlieren, wenn die betreffende Person das Unternehmen verlässt oder die Bank ihren strategischen Fokus ändert.

Eine Struktur mit mehreren Banken kann zwar die Abhängigkeit von einem einzigen Institut verringern, führt aber möglicherweise auch zu einer Abhängigkeit von mehreren einzelnen Bankern, von denen jeder einen anderen Teil der Familiengeschichte kennt. Wenn die Familie keine eigenen Aufzeichnungen führt, liegt das institutionelle Gedächtnis außerhalb der Familie.

Im Rahmen der jährlichen Überprüfung sollte daher geklärt werden, wer innerhalb der jeweiligen Bank über die Geschäftsbeziehung informiert ist, wer als Ersatz zur Verfügung steht, was dokumentiert ist und was passieren würde, wenn der Hauptansprechpartner das Unternehmen verlässt. Eine ausgereifte Bankenstruktur sollte personelle Veränderungen überstehen.

Das siebte versteckte Risiko: Niemand ist für die Gesamtübersicht verantwortlich

Die wichtigste Frage ist, wer die Bankenstruktur koordiniert. Dies kann ein interner Family-Office-Manager, ein Multi-Family-Office, ein externer Vermögensverwalter, ein Anbieter von konsolidierten Berichten, ein vertrauenswürdiger Berater oder ein finanziell versiertes Familienmitglied sein, das von Fachleuten unterstützt wird. Jemand sollte wissen, welche Bank welche Aufgaben übernimmt, welche Vermögenswerte wo gehalten werden, welche Portfolios sich überschneiden, welche Kredite verpfändet sind, welche Mandate diskretionär sind, welche beratender Natur sind und welche Dokumente die jeweiligen Geschäftsbeziehungen regeln.

Ohne diese Koordination wird die Familie zum einzigen Integrationspunkt. Das mag funktionieren, solange der Geschäftsführer noch stark eingebunden ist. Es ist jedoch weniger verlässlich, wenn die nächste Generation eine aktivere Rolle übernimmt, der Geschäftsführer Aufgaben delegiert oder ein Marktereignis schnelle Entscheidungen erfordert.

Ein konsolidierter Quartalsbericht ist zwar nützlich, reicht aber nicht aus. Der Koordinator sollte außerdem eine Übersicht über die Rollenverteilung bei den Banken, eine Gebührenübersicht, eine Kreditübersicht, einen Liquiditätskalender und eine Liste offener Punkte führen. Wenn eine Bank ein neues Produkt vorschlägt, sollte der Koordinator in der Lage sein, dieses im Hinblick auf die Gesamtposition der Familie zu bewerten und nicht nur im Hinblick auf das Portfolio bei dieser einzelnen Bank.

Was bei der jährlichen Bankbilanzprüfung abgefragt werden sollte

Eine gute Überprüfung mehrerer Bankbeziehungen sollte konkret sein.

Welche Rolle spielt die jeweilige Bank? Welche Vermögenswerte werden dort gehalten und warum? Um welche Mandate handelt es sich – um diskretionäre, beratende oder reine Ausführungsmandate? Was ist verpfändet? Welche Barmittel werden gehalten und in welcher Währung? Wie hoch sind die Gesamtgebühren und Produktkosten? Welche Engagements überschneiden sich mit denen anderer Banken? Welche Verpflichtungen auf dem Privatmarkt sind mit den einzelnen Geschäftsbeziehungen verbunden? Welche Kreditfazilitäten bestehen, und wie würden sie sich unter Marktstress verhalten? Welche Geschäftsbeziehung hängt zu stark von einer einzelnen Person ab? Welche Konten oder Mandate erfüllen keine klare Funktion mehr?

Im Rahmen der Überprüfung sollte auch entschieden werden, wie weiter vorzugehen ist. Die Geschäftsbeziehung soll entweder unverändert fortgeführt, die Gebühren neu verhandelt, Überschneidungen bei den Risiken reduziert, eine Funktion auf eine andere Bank verlagert, ein ruhendes Konto geschlossen, das Kreditgeschäft von der Vermögensverwaltung getrennt, die konsolidierte Berichterstattung verbessert oder eine klarere Rolle für die Geschäftsbeziehung festgelegt werden.

Das Ergebnis sollte nicht nur ein vages Gefühl sein, dass das Familienvermögen “gut diversifiziert” ist. Es sollte sich vielmehr um eine dokumentierte Vermögensstruktur handeln.

So sieht es gut aus

Eine gut geführte Multi-Bank-Struktur ist nicht unbedingt kleiner. Sie ist übersichtlicher. Jede Bank hat einen bestimmten Zweck. Die Familie hat den Überblick über das gesamte Engagement bei allen Instituten. Die Gebühren werden insgesamt überprüft. Die Liquidität wird unter Berücksichtigung von Verpfändungen, Verpflichtungen und Steuerrückstellungen erfasst. Kreditlinien werden abgebildet. Barmittel und Depotvermögen werden unterschieden. Produktüberschneidungen sind sichtbar. Die Kontinuität der Kundenbetreuer wird dokumentiert. Eine Person oder eine Stelle ist für die Gesamtübersicht verantwortlich.

Für internationale Familien, die die Schweiz als Drehscheibe nutzen, ermöglicht dieser Ansatz eine optimale Nutzung der Stärken des Schweizer Private Banking. Die Schweiz bietet Tiefe, Fachkompetenz und eine große Auswahl an Instituten. Der Nutzen ist am größten, wenn diese Beziehungen auf die Gesamtsituation der Familie ausgerichtet sind und sich nicht zu parallelen Silos entwickeln.

Mehrere Bankbeziehungen können sinnvoll sein. Sie werden jedoch riskant, wenn Diversifizierung als Selbstverständlichkeit angesehen wird, anstatt sie bewusst zu steuern. Das Ziel besteht nicht darin, mehr Banken zu haben, sondern genau zu wissen, warum jede einzelne davon vorhanden ist.