Globale Trends bei Family Offices

Der Aufstieg von ESG-Investitionen in Family Offices

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Family Offices betrachten Investitionen nach ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) nicht mehr nur als reines Image-Plus. Für eine wachsende Zahl vermögender Familien sind ESG-Kriterien mittlerweile fester Bestandteil des Portfolioaufbaus, des Risikomanagements und der generationsübergreifenden Vermögensplanung geworden.

Dieser Wandel verläuft nicht einheitlich. Einige Family Offices stehen ESG-Kennzeichnungen weiterhin skeptisch gegenüber, insbesondere nach mehreren Jahren politischer Gegenreaktionen, uneinheitlicher Datenlage und Bedenken hinsichtlich „Greenwashing“. Dennoch ist die Richtung klar: Nachhaltigkeitsaspekte fließen zunehmend in Anlageentscheidungen ein, vor allem dort, wo Familien eine langfristige Perspektive auf den Kapitalerhalt verfolgen.

Laut UBS richten weltweit rund 391 % der Family Offices zumindest einen Teil ihrer Anlagestrategie an ESG-Kriterien aus. Diese Zahl deutet nicht auf einen grundlegenden Wandel der Branche hin. Sie zeigt jedoch, dass ESG-Kriterien mittlerweile über den Bereich der Philanthropie hinausgehen und Einzug in die Anlageausschüsse gehalten haben.

Von Werten zum Risikomanagement

Family Offices sind traditionell konservative Anleger. Ihr Auftrag geht oft über die reine Wertsteigerung hinaus: Sie sollen das Kapital erhalten, das Erbe sichern, die Nachfolge regeln und generationenübergreifend Flexibilität gewährleisten.

Dadurch gewinnt die ESG-Debatte nicht an Bedeutung, sondern verliert sie. Klimarisiken, regulatorischer Druck, Risiken in der Lieferkette und Reputationsschäden sind keine abstrakten Probleme mehr. Sie können sich direkt auf den Wert von Vermögenswerten auswirken, von Immobilien und Infrastruktur bis hin zu Private Equity und den öffentlichen Märkten.

Für viele Familien geht es bei ESG daher weniger um moralische Grundsätze als vielmehr darum, Risiken zu erkennen, die bei einer herkömmlichen Finanzanalyse möglicherweise übersehen werden. Energieeffizienz, Qualität der Unternehmensführung, Arbeitsstandards und Klimaresilienz fließen zunehmend in die Bewertung des langfristigen Werts ein.

Die nächste Generation verändert die Diskussion

Der größte Druck geht oft von der Familie selbst aus. Erben der Millennial- und der Z-Generation fragen eher danach, ob das Kapital die Werte der Familie widerspiegelt, und nicht nur, ob es Rendite abwirft.

Das bedeutet nicht, dass jüngere Familienmitglieder der Wertentwicklung gleichgültig gegenüberstehen. Vielmehr neigen sie dazu, Nachhaltigkeit und finanzielle Disziplin als miteinander verbunden zu betrachten. Für sie kann die Vermeidung von „stranded assets“, schwacher Unternehmensführung oder umweltrisikobehafteten Branchen Teil einer umsichtigen Vermögensverwaltung sein.

Dieser Generationswechsel verändert die Rolle von Family Offices. Von den Investmentteams wird erwartet, dass sie nicht nur darlegen, woraus sich das Portfolio zusammensetzt, sondern auch, warum. Berichterstattung, Transparenz und Wirkungsmessung gewinnen daher zunehmend an Bedeutung.

Europa gibt das Tempo vor

Ein weiterer Treiber ist die Regulierung. In Europa sind die Vorschriften zur ESG-Offenlegung strenger geworden, auch wenn der Rahmen weiterhin komplex und bisweilen umstritten ist. Vermögensverwalter, Banken und Berater stehen unter Druck, detailliertere Informationen zu Nachhaltigkeitsrisiken und Produktklassifizierungen bereitzustellen.

Family Offices unterliegen nicht immer denselben regulatorischen Auflagen wie institutionelle Anleger. Sie sind jedoch indirekt über ihre Banken, Fondsmanager und externen Berater davon betroffen. Infolgedessen sehen sich viele mit einem stärker strukturierten Umfeld für die ESG-Berichterstattung konfrontiert.

Dies stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar. Familien mit fragmentierten Portfolios, mehreren Depotbanken und Engagements auf dem privaten Markt haben oft Schwierigkeiten, sich einen umfassenden Überblick über ihr Nachhaltigkeitsprofil zu verschaffen. Wer in eine bessere Dateninfrastruktur investiert, kann sich ein klareres Bild von Risiken, Konzentrationen und langfristigen Engagements verschaffen.

Private Märkte spielen eine zentrale Rolle

Die Einbeziehung von ESG-Kriterien ist besonders relevant auf den privaten Märkten, wo Family Offices oft mehr Einfluss haben als bei börsennotierten Aktien. Durch Direktinvestitionen, Immobilienbeteiligungen, Risikokapital und Private Equity können Familien Governance-Standards, Berichtsanforderungen und strategische Prioritäten direkter mitgestalten.

Erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft, energieeffiziente Gebäude, Gesundheitswesen, Bildung und Klimatechnologie gehören zu den Bereichen, die langfristiges Familienkapital anziehen. Diese Sektoren sind nicht nur aufgrund ihres Nachhaltigkeitsprofils attraktiv, sondern auch, weil sie mit strukturellen wirtschaftlichen Trends verbunden sind.

Die Herausforderung liegt in der Disziplin. Mit ESG-Label versehene Anlagen sind nicht automatisch gute Anlagen. Family Offices benötigen nach wie vor eine gründliche Due-Diligence-Prüfung, realistische Renditeannahmen und klare Berichtsstandards. Die Branche hat gelernt, dass gute Absichten kein Ersatz für das Anlageurteil sind.

Das Datenproblem

Eines der größten Hindernisse ist nach wie vor die Messung. ESG-Daten sind uneinheitlich, die Bewertungsagenturen sind sich oft uneinig, und die Berichterstattung auf dem privaten Markt kann lückenhaft sein. Für Family Offices mit komplexen Vermögensstrukturen stellt sich dieses Problem noch akuter dar.

Ein konsolidiertes Portfolio kann börsennotierte Wertpapiere, Private-Equity-Fonds, direkte Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, Kunst, Barmittel, philanthropische Investitionen und operative Unternehmen umfassen. Die Ermittlung des ESG-Engagements in einer solchen Struktur ist schwierig.

Aus diesem Grund gewinnt Technologie zunehmend an Bedeutung. Vermögensverwaltungsplattformen, die finanzielle und nichtfinanzielle Vermögenswerte bündeln, können Familien dabei helfen, zu verstehen, wo Kapital eingesetzt wird, wie Risiken verteilt sind und wo Nachhaltigkeitsziele erreicht oder verfehlt werden.

Für Family Offices wird die Zukunft von ESG weniger von Schlagworten als vielmehr von der Datenqualität, der Disziplin bei der Berichterstattung und der Unternehmensführung abhängen.

Was Family Offices als Nächstes tun sollten

Family Offices, die eine stärkere ESG-Integration in Betracht ziehen, sollten zunächst Klarheit schaffen. Die erste Frage lautet nicht, welches ESG-Produkt sie kaufen sollen, sondern was die Familie erreichen möchte.

Manche Familien legen vielleicht den Schwerpunkt auf die Minderung von Klimarisiken. Andere konzentrieren sich möglicherweise auf die Wirkung, die Ausrichtung auf philanthropische Ziele, Governance-Standards oder die Vermeidung von Reputationsrisiken. Die Anlagestrategie sollte sich am Auftrag der Familie orientieren und nicht am neuesten Modewort des Marktes.

Zu den praktischen Maßnahmen gehören:

  • die ESG-Prioritäten der Familie festlegen;

  • Erfassung des aktuellen Portfolio-Risikos;

  • die Verbesserung der Datenerhebung bei Banken, Fonds und privaten Vermögenswerten;

  • Festlegung von Berichtsstandards für externe Manager;

  • die nächste Generation in Investitionsgespräche einzubeziehen;

  • eine klare Unterscheidung zwischen ESG-Integration, Impact Investing und Philanthropie.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Bei der ESG-Integration geht es in erster Linie um Risiken und Chancen. Impact Investing zielt darauf ab, neben finanziellen Erträgen auch messbare soziale oder ökologische Ergebnisse zu erzielen. Philanthropie verfolgt nichtkommerzielle Ziele. Eine Verwechslung dieser drei Konzepte kann zu mangelnder Unternehmensführung und unrealistischen Erwartungen führen.

Ausblick: ESG wird selektiver

Die nächste Phase des ESG-Investierens in Family Offices dürfte selektiver und anspruchsvoller ausfallen. Das einfache Motto “Gutes tun und dabei erfolgreich sein” reicht nicht mehr aus. Familien verlangen nach Belegen, Vergleichbarkeit und Rechenschaftspflicht.

Das schwächt die Argumente für ESG nicht, sondern stärkt sie vielmehr. Mit zunehmender Reife des Marktes werden vage Verpflichtungen einem disziplinierteren Ansatz weichen, der sich auf wesentliche Risiken, messbare Ergebnisse und den langfristigen Kapitalerhalt konzentriert.

Für Family Offices ist ESG nicht mehr nur eine Frage des Rufs. Es wird zunehmend zu einer Frage der Unternehmensführung: Wie wird Vermögen verwaltet, wie werden Risiken eingeschätzt und wie wird Kapital für die nächste Generation vorbereitet?.

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