Weltweiter Anstieg der Infrastrukturinvestitionen
Regierungen und Investoren bereiten sich darauf vor, erhebliche Summen in die Bereiche Verkehr, Energie, digitale Netzwerke und öffentliche Versorgungsbetriebe zu investieren. Der Global Infrastructure Hub schätzt, dass die Lücke zwischen den erforderlichen und den erwarteten Infrastrukturinvestitionen $15 Billionen beträgt. Der Bedarf ist offensichtlich. Die größere Herausforderung besteht darin, diesen Bedarf in Projekte umzusetzen, die Kapital anziehen, politische Veränderungen überstehen und über mehrere Jahrzehnte hinweg akzeptable Renditen erzielen können.
Die Infrastruktur stützt nahezu jeden Bereich des Wirtschaftslebens. Über Straßen werden Güter und Arbeitnehmer befördert. Stromnetze versorgen Haushalte und Industrie mit Energie. Wasserversorgungssysteme schützen die öffentliche Gesundheit, während digitale Verbindungen zunehmend darüber entscheiden, ob Unternehmen und Regionen wettbewerbsfähig sind.
Die wirtschaftlichen Argumente für Investitionen sind daher vielfältig. Infrastruktur kann die Produktivität steigern, Arbeitsplätze schaffen und Wachstumshemmnisse beseitigen.
Doch ein starker Bedarf seitens der Öffentlichkeit führt nicht automatisch zu einem investitionswürdigen Projekt.
Viele Vermögenswerte erfordern hohe Kapitalinvestitionen, bevor sie Erträge abwerfen. Die Entwicklung kann Jahre dauern, und die Renditen hängen von regulatorischen Rahmenbedingungen, der staatlichen Politik und Annahmen über die Nachfrage weit in der Zukunft ab.
Diese Spannung steht im Mittelpunkt des aktuellen Investitionszyklus. Die Welt braucht mehr Infrastruktur, doch Investoren benötigen Projekte mit glaubwürdiger Wirtschaftlichkeit und überschaubarem Risiko.
Staaten können nicht mehr alles finanzieren
Traditionell wurde die Infrastruktur vom Staat finanziert und befand sich in staatlichem Besitz. Die Regierungen bauten Straßen, Brücken, Eisenbahnen und Versorgungsnetze, da diese Anlagen Vorteile boten, die private Investoren nicht immer direkt nutzen konnten.
Öffentliche Mittel sind nach wie vor unverzichtbar, insbesondere für Projekte mit großem gesellschaftlichem Nutzen, aber geringen oder ungewissen Einnahmen.
Finanzielle Zwänge haben die Regierungen dennoch dazu veranlasst, verstärkt privates Kapital zu erschließen. Hohe Staatsverschuldung, veraltete Infrastruktur und konkurrierende Haushaltsanforderungen machen es schwierig, jedes Projekt allein durch Steuern oder Kredite zu finanzieren.
Den vorliegenden Zahlen zufolge machen private Investitionen mittlerweile mehr als 30% der weltweiten Infrastrukturfinanzierung aus.
Institutionelle Anleger sind dafür wie geschaffen. Pensionsfonds, Versicherungen und Staatsfonds haben langfristige Verbindlichkeiten und suchen oft nach Anlagen, die über viele Jahre hinweg stabile Cashflows generieren können.
Die Infrastruktur kann diesen Bedarf decken, allerdings nur unter den richtigen Voraussetzungen.
Ein reguliertes Stromnetz mit vorhersehbaren Einnahmen unterscheidet sich erheblich von einer neuen Eisenbahnstrecke, deren Einnahmen von optimistischen Fahrgastprognosen abhängen.
Die Kategorie ist breit gefächert. Das gilt auch für die damit verbundenen Risiken.
Die Investitionslücke besteht nicht nur in einem Geldmangel
Die auf $15 Billionen geschätzte weltweite Infrastrukturlücke wird oft als Beweis dafür angeführt, dass mehr Kapital mobilisiert werden muss.
Das Kapital ist nur ein Teil des Problems.
Viele Projekte sind noch nicht ausreichend ausgereift, um institutionelle Investitionen zu erhalten. Machbarkeitsstudien sind möglicherweise unvollständig, Genehmigungen noch nicht erteilt oder Erlösmodelle unklar. Politische Entscheidungsträger unterstützen ein Projekt zwar grundsätzlich, legen jedoch nicht fest, wer die Kosten dafür tragen soll.
Investoren können keine Ambitionen finanzieren. Sie benötigen Verträge, Cashflow-Prognosen und eine klare Risikoverteilung.
Dies trägt dazu bei, zu erklären, warum große Mengen an privatem Kapital neben einem gravierenden Mangel an Infrastruktur bestehen können.
In den Entwicklungsländern stellt sich dieses Problem besonders akut. Der Bedarf an Straßen, Strom, sanitären Einrichtungen und digitalen Netzwerken mag zwar erheblich sein, doch sind die Projekte mit Währungsrisiken, einer schwächeren Rechtsdurchsetzung und weniger vorhersehbaren regulatorischen Rahmenbedingungen konfrontiert.
Ein höherer Bedarf bedeutet nicht zwangsläufig eine einfachere Finanzierung.
Um diese Lücke zu schließen, bedarf es sowohl einer gründlicheren Projektvorbereitung als auch zusätzlicher Finanzmittel.
Die Infrastruktur hat die Wirtschaft schon immer neu geprägt
Das Interstate-Highway-System der Vereinigten Staaten zeigt, wie Infrastruktur die Wirtschaftsgeografie eines Landes verändern kann.
Die Bauarbeiten begannen in den 1950er Jahren und trugen dazu bei, den Waren- und Personenverkehr in den Vereinigten Staaten zu verbessern. Sie förderten die Logistik, die Entwicklung der Vororte und den nationalen Handel.
Die Vorteile reichten weit über die Straßen selbst hinaus.
Das System verdeutlicht zudem das Ausmaß des erforderlichen öffentlichen Engagements. Solche Netzwerke lassen sich nur schwer durch die direkten Einnahmen einzelner Abschnitte rechtfertigen. Ihr wirtschaftlicher Wert ergibt sich zum Teil aus den Aktivitäten, die sie an anderer Stelle ermöglichen.
Chinas „Belt and Road“-Initiative stellt ein anderes Modell dar.
Über Häfen, Eisenbahnstrecken, Kraftwerke und Verkehrskorridore hat China Infrastrukturprojekte in Asien, Afrika, Europa und Lateinamerika finanziert. Das Programm verbindet wirtschaftliche, diplomatische und strategische Ziele.
Einige Projekte haben die Handelsverbindungen verbessert und dringend benötigte Infrastruktur geschaffen. Andere wurden wegen Verschuldung, mangelnder Transparenz, Umweltauswirkungen und wirtschaftlicher Tragfähigkeit kritisiert.
Die Lehre daraus ist nicht, dass große Infrastrukturprogramme als Ganzes entweder gelingen oder scheitern. Vielmehr geht es darum, dass politischer Ehrgeiz die Disziplin auf Projektebene nicht ersetzen kann.
Privates Kapital verändert die Kalkulation
Private Investoren bringen Kapital, technisches Know-how und den Druck zur Steigerung der betrieblichen Effizienz mit.
Außerdem erwarten sie eine finanzielle Rendite.
Dies hat Auswirkungen auf die Auswahl und Strukturierung von Projekten. Eine Anlage muss Einnahmen durch Nutzungsgebühren, regulierte Tarife, Verfügbarkeitszahlungen oder einen anderen vertraglichen Mechanismus erzielen.
Mautstraßen, Flughäfen, Rechenzentren und Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien passen möglicherweise in dieses Modell. Öffentliche Parks, Landstraßen und Hochwasserschutzanlagen tun dies oft nicht.
Regierungen können Projekte, die aus wirtschaftlicher Sicht weniger attraktiv sind, durch Bürgschaften, Subventionen oder langfristige Verträge investitionsfähig machen. Entwicklungsbanken können vergünstigte Finanzierungen bereitstellen oder Risiken übernehmen, die private Institutionen nicht akzeptieren würden.
Solche Strukturen können Kapital effektiv mobilisieren.
Außerdem können sie übermäßige Risiken auf die Steuerzahler abwälzen.
Eine schlecht konzipierte öffentlich-private Partnerschaft kann dazu führen, dass Investoren Gewinne einbehalten, während der Staat für Verluste aufkommt. Nachfragegarantien können teuer werden, wenn die Nutzung hinter den Prognosen zurückbleibt.
Die Beteiligung des privaten Sektors sollte daher anhand des Preis-Leistungs-Verhältnisses beurteilt werden und nicht lediglich danach, ob ein Vermögenswert aus der öffentlichen Bilanz herausgehalten wird.
Die Infrastruktur bietet attraktive Merkmale
Anleger fühlen sich vom Infrastrukturbereich angezogen, da viele dieser Anlagen unverzichtbare Dienstleistungen erbringen und dabei nur begrenztem Wettbewerb ausgesetzt sind.
Stromnetze, Wasserversorgungsnetze und Verkehrsverbindungen können relativ stabile Einnahmen generieren. Einige Verträge oder regulierte Tarife bieten Schutz vor Inflation.
Die lange Nutzungsdauer der Vermögenswerte kann auch für Institutionen mit langfristigen Verbindlichkeiten von Vorteil sein.
Diese Eigenschaften haben dazu beigetragen, dass Infrastruktur zu einem anerkannten Anlageklassiker auf den privaten Märkten und im Bereich der Realvermögenswerte geworden ist.
Die scheinbare Stabilität kann irreführend sein.
Die Nachfrage kann sich ändern. Durch regulatorische Maßnahmen können Preise begrenzt werden. Die Baukosten können die Budgets überschreiten, während die Refinanzierung bei steigenden Zinsen teurer wird.
Vermögenswerte, die bei günstigen Finanzierungsbedingungen als risikoarm galten, können an Attraktivität verlieren, wenn die Kreditkosten steigen.
Infrastruktur ist nicht einfach nur eine mit Beton ummantelte Anlage. Ihr Wert hängt vom Betrieb, von Verträgen und von politischen Entscheidungen ab.
Im Bauwesen treffen Pläne auf die Realität
Große Infrastrukturprojekte haben in der Vergangenheit nur selten die ursprünglichen Kosten- und Zeitplanvoranschläge eingehalten.
Verzögerungen können durch Genehmigungsverfahren, Grundstückserwerb, technische Probleme oder Arbeitskräftemangel sowie Materialengpässe entstehen. Die Inflation kann zu einem Kostenanstieg führen, noch bevor die Anlage Erträge abwirft.
Besonders komplexe Projekte sind besonders anfällig.
Bei einer Brücke oder einem Kraftwerk sind oft mehrere Auftragnehmer, Aufsichtsbehörden und Lieferanten beteiligt. Ein Ausfall in einem Teil der Kette kann das gesamte Projekt verzögern.
Anleger müssen zwischen Bau- und Betriebsrisiken unterscheiden.
Ein etablierter Vermögenswert mit einer nachweisbaren Ertragsentwicklung lässt sich leichter bewerten als ein Projekt, das bislang hauptsächlich in Form von Plänen und Finanzmodellen existiert. Die erwartete Rendite sollte diesen Unterschied widerspiegeln.
Bei Festpreis-Bauverträgen können zwar gewisse Risiken auf die Bauträger übertragen werden, doch ist dieser Schutz nur so stark wie die Bilanz des Auftragnehmers.
Wenn ein wichtiger Lieferant ausfällt, fällt das Risiko oft wieder auf den Eigentümer zurück.
Die Energiewende erweitert den Markt
Nachhaltige Infrastruktur hat sich zu einer der wichtigsten Quellen für neue Investitionsnachfrage entwickelt.
Regierungen benötigen erneuerbare Energieerzeugung, Stromnetze, Speichersysteme und Ladenetzwerke, um Emissionen zu senken und die Elektrifizierung voranzutreiben. Auch Gebäude und Verkehrssysteme müssen effizienter werden.
Den vorgelegten Zahlen zufolge sollen die Investitionen in die Infrastruktur für erneuerbare Energien bis 2030 $10 Billionen erreichen.
Das Potenzial ist beträchtlich, beschränkt sich jedoch nicht nur auf Windparks und Solarparks.
Stromnetze erfordern möglicherweise einige der größten Investitionen. Die Erzeugung erneuerbarer Energien ist nur dann sinnvoll, wenn der Strom übertragen, ausgeglichen und dorthin geliefert werden kann, wo er benötigt wird.
Energiespeicher, Verbindungsleitungen und digitale Steuerungssysteme werden angesichts einer zunehmend schwankenden Stromversorgung immer wichtiger.
Diese Vermögenswerte sind häufig mit regulierten Renditen und langen Planungshorizonten verbunden. Ihre Entwicklung hängt in hohem Maße von der Politik und der Zusammenarbeit zwischen Behörden und privaten Betreibern ab.
Die Energiewende ist daher ebenso sehr eine infrastrukturelle wie eine technologische Herausforderung.
Der „Green Deal“ der EU lenkt Kapital
Der Europäische Grüne Deal zielt darauf ab, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu machen.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind umfangreiche Investitionen in die Energieversorgung, den Verkehr, den Gebäudebereich und die industrielle Infrastruktur erforderlich. Die EU-Vorschriften, Fördermittel und Finanzierungsprogramme sollen dazu beitragen, Kapital in diese Bereiche zu lenken.
Durch die Festlegung von Zielen und die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Projekten können Vorschriften neue Märkte schaffen.
Es kann auch zu Unsicherheit führen.
Anleger müssen einschätzen, wie sich Förderprogramme, CO₂-Preise und technische Standards über die gesamte Nutzungsdauer einer Anlage hinweg verändern könnten. Ein Projekt, dessen Rendite vollständig von der aktuellen Politik abhängt, kann nach einer Wahl oder einer Haushaltskorrektur anfällig werden.
Die tragfähigsten Investitionen sind nicht unbedingt diejenigen, die die höchsten Fördermittel erhalten. Es sind vielmehr jene, die durch eine nachhaltige wirtschaftliche Nachfrage und einen verlässlichen regulatorischen Rahmen gestützt werden.
Politische Maßnahmen können Investitionen ankurbeln. Sie können schwache Projekte jedoch nicht auf unbestimmte Zeit retten.
Technologie verbessert Vermögenswerte und birgt zusätzliche Risiken
Digitale Technologien werden in jeder Phase in die Infrastruktur integriert.
Building Information Modeling (BIM) kann die Planung und Koordination verbessern. Mithilfe von Sensoren können Betreiber Brücken, Rohrleitungen und Maschinen genauer überwachen. Intelligente Stromnetze können Angebot und Nachfrage bei der Stromversorgung in Echtzeit ausgleichen.
Diese Werkzeuge können die Wartungskosten senken und die Lebensdauer der Anlagen verlängern.
Außerdem entstehen dadurch neue Sicherheitslücken.
An digitale Netzwerke angeschlossene Infrastruktur kann Cyberangriffen ausgesetzt sein. Ein Ausfall von Software oder Kommunikationssystemen kann zu Störungen im Verkehrs-, Energie- oder Wasserversorgungsbereich führen.
Technologie kann zudem bereits veralten, bevor das physische Gut das Ende seiner Lebensdauer erreicht.
Anleger müssen daher sowohl die Haltbarkeit der Struktur als auch die Widerstandsfähigkeit der Systeme, die diese steuern, bewerten.
Ein „intelligenter“ Vermögenswert ist nicht unbedingt auch ein sichererer.
Die digitale Infrastruktur wird unverzichtbar
Rechenzentren, Glasfasernetze und Telekommunikationsmasten sind zu einem wichtigen Bestandteil des Infrastrukturmarktes geworden.
Ihr Wachstum spiegelt die steigende Nachfrage nach Cloud-Computing, Streaming, künstlicher Intelligenz und vernetzten Diensten wider.
Im Gegensatz zu vielen traditionellen Infrastrukturanlagen können digitale Einrichtungen mit raschen technologischen Veränderungen und starkem wirtschaftlichem Wettbewerb konfrontiert sein.
Eine mautpflichtige Straße kann jahrzehntelang betrieben werden und dabei schrittweise verbessert werden. Ein Rechenzentrum kann an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen, wenn es nicht über ausreichende Stromversorgung, Kühlung oder Anbindung verfügt.
Die Verfügbarkeit von Strom wird zu einem besonders wichtigen Engpass. Große Rechenzentren verbrauchen erhebliche Mengen an Energie und können mit Haushalten und der Industrie um Netzkapazitäten konkurrieren.
Der Sektor befindet sich somit an der Schnittstelle zwischen digitaler und Energieinfrastruktur.
Das Wachstumspotenzial ist beträchtlich, doch ebenso groß sind die Bedenken hinsichtlich des Stromverbrauchs, der Baugenehmigungen und des Widerstands vor Ort.
Die regionalen Ungleichheiten sind nach wie vor gravierend
Die Investitionen in die Infrastruktur sind ungleichmäßig verteilt.
Entwickelte Märkte zeichnen sich in der Regel durch klarere Vorschriften, tiefere Kapitalmärkte und einen stärkeren Rechtsschutz aus. Diese Rahmenbedingungen erleichtern die Finanzierung von Projekten, selbst wenn der Bedarf weniger dringend ist.
Entwicklungsregionen könnten mit der gegenteiligen Situation konfrontiert sein. Der Mangel an Infrastruktur ist dort zwar gravierender, doch die Finanzierung ist teurer und schwerer zu sichern.
Das Währungsrisiko ist eines der größten Hindernisse. Ein Projekt erzielt möglicherweise Einnahmen in Landeswährung, während seine Schulden auf Dollar oder Euro lauten. Eine Abwertung kann die Rückzahlung unerschwinglich machen.
Politische und regulatorische Risiken treiben zudem die Kapitalkosten in die Höhe.
Entwicklungsbanken und multilaterale Institutionen können durch die Bereitstellung von Bürgschaften, Finanzmitteln in Landeswährung und technischer Unterstützung helfen. Durch ihr Engagement können Projekte für private Investoren attraktiv werden.
Blended Finance sollte dennoch nur selektiv eingesetzt werden.
Öffentliche oder konzessionierte Mittel sollten zur Bewältigung eines bestimmten Risikos oder eines Marktversagens eingesetzt werden. Sie sollten nicht dazu dienen, ein Projekt zu verschleiern, dem es an wirtschaftlicher Tragfähigkeit mangelt.
Schwellenländer benötigen investierbare Projektepipelines
Regierungen geben häufig umfangreiche Listen potenzieller Infrastrukturprojekte bekannt.
Nur wenige sind bereit, eine Finanzierung zu übernehmen.
Investoren benötigen detaillierte technische Planungen, Umweltverträglichkeitsprüfungen, Informationen zu Grundstücksrechten und realistische Nachfrageprognosen. In den Verträgen muss die Zuständigkeit für Bau, Betrieb und unvorhergesehene Kosten festgelegt werden.
Die Entwicklung dieser Pipeline erfordert Zeit und Fachwissen.
Einrichtungen zur Projektvorbereitung können Regierungen unterstützen, bevor ein Projekt die Finanzierungsphase erreicht. Standardisierte Verträge können die Transaktionskosten senken und den Vergleich von Projekten erleichtern.
Auch die regionale Koordinierung kann die Rentabilität verbessern. Ein Strom- oder Verkehrsnetz, das mehrere Länder versorgt, kann mehr Investitionen anziehen als isolierte nationale Anlagen.
Dieser Prozess ist weniger öffentlichkeitswirksam als die Ankündigung eines neuen Infrastrukturfonds.
Außerdem lässt sich so besser feststellen, ob das Geld letztendlich auch eingesetzt wird.
Politische Risiken lassen sich nicht ohne Weiteres durch Diversifizierung abwälzen
Infrastrukturanlagen sind ortsfest und unterliegen häufig staatlichen Vorschriften.
Dadurch sind sie politischen Entscheidungen besonders ausgesetzt.
Eine neue Regierung könnte Tarife ändern, Verträge kündigen oder zusätzliche Steuern erheben. Öffentlicher Widerstand kann Projekte verzögern oder die Betriebszeiten einschränken.
Anlagen, die grundlegende Dienstleistungen erbringen, sind besonders anfällig. Wenn die Energie- oder Transportkosten steigen, kann politischer Druck die Betreiber daran hindern, die höheren Kosten an die Nutzer weiterzugeben.
Anleger können vertragliche Schutzmaßnahmen aushandeln, doch die Durchsetzung kann Jahre dauern.
Versicherungen gegen politische Risiken und multilaterale Garantien können das Risiko mindern. Sie beseitigen es jedoch nicht.
Ein Projekt kann rechtlich abgesichert sein und dennoch aus wirtschaftlicher oder rufbezogener Sicht schwierig zu betreiben sein.
Die lokale Legitimität ist daher Teil der Investitionsargumente.
Nachhaltigkeit geht über den CO₂-Ausstoß hinaus
Grüne Infrastruktur wird häufig in erster Linie anhand der Emissionen bewertet.
Auch die weiterreichenden ökologischen und sozialen Auswirkungen spielen eine Rolle.
Wasserkraft kann zwar CO₂-armen Strom erzeugen, dabei jedoch Gemeinden vertreiben oder Ökosysteme schädigen. Neue Verkehrsverbindungen können die Anbindung verbessern, fördern aber gleichzeitig die Bebauung in sensiblen Gebieten.
Bergbau und Bauwesen erfordern große Mengen an Materialien. Zement und Stahl sind mit erheblichen eingebetteten Emissionen verbunden.
Eine aussagekräftige Nachhaltigkeitsbewertung sollte den gesamten Lebenszyklus der Anlage abdecken, vom Bau über die Flächennutzung bis hin zum Betrieb und der späteren Stilllegung.
Soziale Aspekte sind ebenso wichtig. Infrastruktur kann den Zugang zu Arbeitsplätzen und Dienstleistungen verbessern, doch ihre Kosten und Nutzen können ungleich verteilt sein.
Projekte, bei denen lokale Belange außer Acht gelassen werden, können zu Protesten, Rechtsstreitigkeiten und kostspieligen Verzögerungen führen.
Nachhaltigkeit ist daher nicht nur eine ethische Überlegung. Sie ist ein Faktor, der das Ausführungsrisiko beeinflusst.
Anleger müssen die Umsatzentwicklung verstehen
Infrastruktur wird oft als eine einzige Anlageklasse beschrieben, doch ihre Ertragsmodelle sind sehr unterschiedlich.
Ein reguliertes Versorgungsunternehmen erzielt Einnahmen im Rahmen der von den Behörden festgelegten Vorgaben. Ein Flughafen ist von den Passagierzahlen und der wirtschaftlichen Aktivität abhängig. Ein Projekt im Bereich der erneuerbaren Energien kann Strom im Rahmen eines langfristigen Vertrags verkaufen.
Jede Struktur reagiert unterschiedlich auf Inflation, Zinssätze und Wirtschaftswachstum.
Anleger sollten prüfen, wer letztendlich für die Dienstleistung aufkommt und wie die Preise festgelegt werden.
Vertraglich vereinbarte Erlöse können für Stabilität sorgen, doch die Vertragspartner könnten in Zahlungsverzug geraten oder eine Neuverhandlung anstreben. Marktbasierte Erlöse bieten zwar Aufwärtspotenzial, setzen den Vermögenswert jedoch Schwankungen aus.
Ein Inflationsschutz kann ausdrücklich in einem Tarif oder Vertrag festgelegt sein. Er kann aber auch durch politischen Widerstand eingeschränkt werden.
Es ist wichtiger, den Cashflow zu verstehen, als die damit verbundene Einstufung als Infrastrukturprojekt.
Höhere Zinssätze führen zu einer Neubewertung
In einer Phase niedriger Zinsen wurde die Infrastruktur stark ausgebaut.
Günstige Kredite ließen den Wert von Anlagen mit langer Laufzeit steigen und ermöglichten es den Anlegern, höhere Preise für stabile Erträge zu zahlen.
Dieses Umfeld hat sich verändert.
Höhere Finanzierungskosten schmälern die Renditen und verteuern die Refinanzierung. Vermögenswerte, die zu niedrigen Renditen erworben wurden, müssen möglicherweise neu bewertet werden.
Neue Projekte müssen höhere Hürden überwinden. Einige Vorhaben, die bei günstigeren Finanzierungsbedingungen noch realisierbar schienen, könnten sich verzögern oder ganz gestrichen werden.
Die Auswirkungen sind nicht ausschließlich negativ.
Niedrigere Bewertungen können für Anleger mit verfügbarem Kapital Chancen eröffnen. Höhere Diskontsätze können zudem zu einer strengeren Auswahl der Projekte führen.
Der Infrastruktursektor ist nach wie vor attraktiv, doch der gezahlte Preis spielt eine Rolle.
Selbst eine hochwertige Anlage kann eine geringe Rendite erzielen, wenn sie zu teuer erworben wurde.
Die Politik muss ein Gleichgewicht zwischen Schnelligkeit und Sorgfalt finden
Regierungen führen häufig Verzögerungen bei der Planung und Genehmigungserteilung als Hindernisse für den Ausbau der Infrastruktur an.
Eine schnellere Genehmigung kann Unsicherheiten verringern und verhindern, dass Projekte bereits vor Baubeginn überholt sind.
Eine schlecht konzipierte Beschleunigung birgt verschiedene Risiken.
Umweltprüfungen, öffentliche Anhörungen und technische Begutachtungen haben ihren Grund. Werden sie abgeschwächt, kann dies zu rechtlichen Anfechtungen führen oder dazu, dass Projekte keine lokale Akzeptanz finden.
Das Ziel sollte ein effizienterer Prozess sein, nicht der Verzicht auf eine Überprüfung.
Klare Fristen, eine koordinierte Zusammenarbeit der Behörden und vorhersehbare Anforderungen können die Abwicklung beschleunigen, ohne dass dabei Standards vernachlässigt werden.
Investoren legen Wert auf Sicherheit. Es ist nicht unbedingt erforderlich, dass jedes Projekt genehmigt wird.
Eine rasche Ablehnung kann sinnvoller sein als jahrelange Unklarheiten auf Verwaltungsebene.
Die Prognose von $79 Billionen erfordert eine konsequente Umsetzung
McKinsey geht davon aus, dass die weltweiten Infrastrukturinvestitionen bis 2040 $79 Billionen erreichen könnten.
Die Zahl verdeutlicht das Ausmaß des Bedarfs in den Bereichen Verkehr, Energie, Wasser und Kommunikation.
Ob die Investition tatsächlich getätigt wird, hängt nicht nur von der Verfügbarkeit von Kapital ab.
Projekte müssen vorbereitet, genehmigt und strukturiert werden. Regierungen benötigen glaubwürdige politische Rahmenbedingungen, während private Investoren Renditen benötigen, die den von ihnen eingegangenen Risiken angemessen sind.
Die Gefahr besteht darin, dass hohe Prognosen den Eindruck erwecken, die Ausgaben selbst seien das Ziel.
Infrastruktur sollte anhand der von ihr erbrachten Dienstleistungen und der von ihr geförderten Wirtschaftstätigkeit beurteilt werden. Eine kostspielige Anlage mit geringer Nachfrage gewinnt nicht allein dadurch an Wert, dass sie die Gesamtinvestitionssumme erhöht.
Qualität ist genauso wichtig wie Quantität.
Der nächste Zyklus wird diszipliniertes Kapital begünstigen
Die Infrastruktur dürfte auch in den kommenden Jahrzehnten eines der zentralen Anlagethemen bleiben.
Urbanisierung, Digitalisierung, Energiesicherheit und Anpassung an den Klimawandel erfordern allesamt erhebliche materielle Ressourcen. In den Industrieländern müssen veraltete Netze erneuert werden, während in den Schwellenländern neue Kapazitäten benötigt werden. Die Chancen sind real. Ebenso wie die Herausforderungen.
Projekte können aufgrund mangelhafter Planung, politischer Eingriffe, Bauverzögerungen oder unrealistischer Nachfrageprognosen scheitern. Auch nachhaltige Anlagen können mit ökologischen und sozialen Kosten verbunden sein. Öffentlich-private Partnerschaften können Kapital mobilisieren oder den Steuerzahlern teure Verbindlichkeiten hinterlassen.
Die sinnvollsten Investitionen bringen den öffentlichen Bedarf mit einer dauerhaften Einnahmequelle in Einklang.
Regierungen müssen verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und glaubwürdige Projekte ausarbeiten. Investoren müssen Verträge, politische Rahmenbedingungen und betriebliche Abläufe mit derselben Sorgfalt prüfen, wie sie es bei den Finanzmärkten tun.
Die Infrastrukturlücke lässt sich nicht allein durch Kapital schließen. Sie wird Projekt für Projekt geschlossen – durch Anlagen, die finanziert, gebaut und betrieben werden können, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, warum sie überhaupt benötigt wurden.


