Multi-Asset-Allokation

Grüne Anleihen müssen sich ihren Platz im Portfolio erst verdienen

Foto von Rodolfo Quevenco (@rquevenco) auf Unsplash


Grüne Anleihen sind mittlerweile weit über den Nischenbereich der festverzinslichen Wertpapiere hinausgewachsen. Regierungen, Entwicklungsbanken und Unternehmen nutzen sie mittlerweile zur Finanzierung von Projekten wie erneuerbaren Energien, umweltfreundlichem Verkehr, energieeffizienten Gebäuden und Wasserinfrastruktur. Damit bieten sie Anlegern die Möglichkeit, Kapital in konkrete Umweltprojekte zu investieren, ohne den Anleihemarkt verlassen zu müssen.

Ihre Struktur ist unkompliziert. Eine grüne Anleihe funktioniert ähnlich wie eine herkömmliche Anleihe, allerdings verpflichtet sich der Emittent, die Erlöse für förderfähige Umweltprojekte zu verwenden. Anleger müssen daher nach wie vor die Bonität des Emittenten, die Laufzeit, die Rendite und das Zinsrisiko bewerten und gleichzeitig prüfen, wie die Mittel verwendet werden und wie über die Umweltwirkung berichtet wird.

Für Vermögensverwalter geht es bei grünen Anleihen weniger darum, ein Portfolio nachhaltig erscheinen zu lassen, als vielmehr darum, zu entscheiden, ob sie die Allokation im Anleihenbereich verbessern. Sie können ein Engagement in etablierten Emittenten und Infrastrukturthemen mit langer Laufzeit bieten, doch die Bezeichnung allein verbessert nicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Anleihe. Eine grüne Anleihe, die zu einer unattraktiven Bewertung emittiert wird, bleibt eine unattraktive Anleihe.

Der Markt ist zudem strukturierter geworden. Rahmenwerke wie die „Green Bond Principles“ der International Capital Market Association haben die Emittenten zu einer klareren Berichterstattung über die Verwendung der Erlöse veranlasst, während der EU-Green-Bond-Standard die Messlatte für Anleihen, die unter diesem Rahmenwerk vermarktet werden, noch höher gelegt hat. Investoren verfügen nun über mehr Informationen, müssen jedoch auch zwischen fundierten Angaben und allgemeinen Formulierungen zum Thema Nachhaltigkeit unterscheiden.

Die Due-Diligence-Prüfung beginnt daher bei der Anleihe selbst. Die Bilanz des Emittenten spielt eine wichtige Rolle. Ebenso wie der Kupon, die Duration, die Liquidität und das Währungsrisiko. Anleger sollten anschließend prüfen, ob die finanzierten Projekte klar definiert sind, ob die Verwendung der Erlöse nachverfolgt wird, wie über den Fortschritt berichtet wird und ob eine externe Überprüfung das „Green Framework“ bestätigt.

Für Privatkunden und Family Offices können grüne Anleihen eine Ergänzung zu herkömmlichen Staats- und Unternehmensanleihen darstellen, anstatt diese zu ersetzen. Ihre größte Stärke kommt dort zum Tragen, wo das Anlagekonzept bereits stichhaltig ist und die Verwendung der Erlöse dem Engagement eine zusätzliche Sinnhaftigkeit verleiht. Nachhaltigkeitskriterien sollten die Entscheidung untermauern, nicht jedoch die Bonitätsanalyse ersetzen.

Der Markt für grüne Anleihen bietet Anlegern heute eine größere Auswahl als noch vor einigen Jahren. Die größere Herausforderung besteht nun darin, diejenigen Anleihen zu identifizieren, die ein Portfolio tatsächlich stärken, und sie von denen zu unterscheiden, die lediglich mit einem „grünen“ Label versehen sind.