Grenzüberschreitendes Vermögen

Schweizer Privatbank oder unabhängiger Vermögensverwalter: Welches Modell passt zu Ihrer Familie?

Die Schweiz mag zwar als Synonym für das Private Banking gelten, doch die Eröffnung eines Kontos bei einer Schweizer Bank und die Beauftragung eines Schweizer Vermögensverwalters sind nicht unbedingt ein und dieselbe Entscheidung. Eine Privatbank kann Verwahrung, Anlageberatung, Portfoliomanagement, Kreditvergabe und Zugang zu Finanzprodukten aus einer Hand anbieten. Ein unabhängiger Vermögensverwalter berät in der Regel bei der Portfoliogestaltung oder verwaltet das Portfolio, während die Vermögenswerte bei einer separaten Bank verwahrt werden.

Diese Unterscheidung ist von Bedeutung, da sie darüber entscheidet, wer das Familienvermögen verwaltet, wer Anlageentscheidungen trifft, wie Produkte ausgewählt werden, wo Konflikte entstehen können und wie problemlos die Beziehung einen Beraterwechsel überstehen kann.

Die Schweiz ist nach wie vor das weltweit größte Zentrum für grenzüberschreitende private Vermögensverwaltung. Das von den Banken des Landes verwaltete Vermögen belief sich laut der Schweizerischen Bankiervereinigung im Jahr 2024 auf 9,284 Billionen CHF, wobei 4,225 Billionen CHF auf im Ausland ansässige Kunden entfielen. Doch die Stärke des Standorts macht die Wahl des richtigen Dienstleistungsmodells nicht überflüssig. Eine Familie mit einem überschaubaren, liquiden Portfolio kann von der Bandbreite einer gut ausgestatteten Privatbank profitieren. Eine Familie, die Unternehmen, Immobilien, Investitionen auf dem Privatmarkt und Konten in mehreren Ländern besitzt, benötigt möglicherweise ein höheres Maß an Unabhängigkeit und Koordination, als es eine einzelne Institution bieten kann.

Die richtige Frage lautet daher nicht, welches Modell grundsätzlich besser ist. Die Frage ist vielmehr, welche Aufgaben die Familie einer Institution übertragen möchte, welche sie getrennt halten möchte und in welchen Bereichen sie auf ein wirklich unabhängiges Urteil angewiesen ist.

Beginnen Sie mit dem strukturellen Unterschied

In einer traditionellen Private-Banking-Beziehung fungiert die Bank in der Regel als Depotbank und erbringt zudem Anlageberatungsleistungen. Je nach Mandat behält der Kunde die endgültige Entscheidungsgewalt über jede Transaktion, erhält Empfehlungen von einem Berater oder überträgt die laufenden Anlageentscheidungen an die Bank.

Ein unabhängiger Vermögensverwalter, der in der Schweiz oft als externer Vermögensverwalter oder unabhängiger Portfoliomanager bezeichnet wird, übernimmt in der Regel nicht die Verwahrung des Geldes und der Wertpapiere des Kunden. Die Familie eröffnet ein Konto bei einer Depotbank und erteilt dem Vermögensverwalter im Rahmen eines vereinbarten Mandats begrenzte Befugnisse zur Verwaltung des Portfolios. Der Vermögensverwalter kann Anlageanweisungen erteilen, doch die Vermögenswerte bleiben bei der Bank verbucht.

Dadurch ergibt sich eine Aufgabenteilung. Die Bank übernimmt die Verwahrung, die Transaktionsabwicklung, die Kontoführung und, sofern vereinbart, die Kreditvergabe. Der unabhängige Vermögensverwalter stellt das Portfolio zusammen und überwacht es. Der Kunde erhält folglich separate Verträge und in der Regel separate Gebühren von der Depotbank und dem Vermögensverwalter.

Diese Trennung kann zwar ein nützliches System der gegenseitigen Kontrolle darstellen, führt aber auch eine weitere Beziehung mit sich, die geregelt werden muss. Familien sollten nicht davon ausgehen, dass “unabhängig” automatisch besser, günstiger oder frei von kommerziellen Anreizen bedeutet. Die Unabhängigkeit muss anhand von Eigentumsverhältnissen, Vergütung, Produktauswahl und Offenlegung überprüft werden.

Wann eine Privatbank die bessere Wahl sein kann

Eine Privatbank kann die sinnvollste Wahl sein, wenn eine Familie Wert auf ein breit gefächertes Angebot legt und verschiedene Dienstleistungen aus einer Hand in Anspruch nehmen möchte.

Nehmen wir eine Familie mit börsennotierten Wertpapieren im Wert von 12 Millionen CHF, einem Eigenheim in der Schweiz und vorhersehbaren jährlichen Ausgaben. Zu ihren Anforderungen könnten eine diskretionäre Portfolioverwaltung, Konten in verschiedenen Währungen, eine Hypothek, Zahlungsdienstleistungen und gelegentliche Beratung in Erbschaftsfragen gehören. Eine kompetente Privatbank kann diese Dienstleistungen potenziell über ein einziges Kundenbetreuungsteam, mit einer einzigen Depotplattform und einer konsolidierten Bankberichterstattung erbringen.

Die Kreditvergabe ist oft ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Privatbanken bieten unter anderem Lombardkredite, die durch ein Portfolio besichert sind, Hypotheken, Liquiditätsfazilitäten sowie komplexere Finanzierungslösungen für Unternehmer an. Eine Familie, die den Kauf einer Immobilie finanzieren möchte, ohne dabei ihre Anlagen zu veräußern, legt daher möglicherweise großen Wert auf die Bilanz der Bank.

Größere Institute können zudem Zugang zu Anlageanalysen, der Abwicklung von Kapitalmarktgeschäften, strukturierten Anlagen, Fonds für den Privatmarkt sowie zu Spezialisten in den Bereichen Steuern, Philanthropie oder Nachfolge bieten. Die genaue Qualität und Verfügbarkeit dieser Dienstleistungen hängt vom jeweiligen Institut, der Höhe des Kundenvermögens und der Rentabilität der Kundenbeziehung ab.

Ein weiterer Vorteil ist die einfache Handhabung. Da Verwahrung, Berichterstattung, Handel, Kreditvergabe und Anlageverwaltung unter einem Dach vereint sind, lässt sich die administrative Koordination möglicherweise leichter gestalten. Dies kann insbesondere für eine Familie von Nutzen sein, die über kein eigenes Family Office oder keinen finanziell versierten Vertreter verfügt.

Der Nachteil dabei ist, dass die Bank gleichzeitig Dienstleister, Produktvertreiber, Verwahrstelle und in manchen Fällen auch Kreditgeber ist. Eine Empfehlung kann durchaus geeignet sein und gleichzeitig die übergeordneten geschäftlichen Ziele des Instituts unterstützen. Die Familie muss sich darüber im Klaren sein, ob der Berater Anlagen marktweit auswählen kann oder überwiegend auf der Grundlage einer genehmigten internen Liste arbeitet.

Wann ein unabhängiger Vermögensverwalter einen Mehrwert bieten kann

Das unabhängige Modell gewinnt tendenziell an Attraktivität, wenn eine Familie möchte, dass der Anlageberater nicht bei der Institution angesiedelt ist, die das Vermögen verwaltet.

Stellen Sie sich einen Unternehmer vor, der ein Unternehmen verkauft und 40 Millionen CHF bei zwei Schweizer Banken angelegt hat. Eine Bank gewährt Kredite, während die andere die Verwahrung im Rahmen einer zweiten rechtlichen und institutionellen Beziehung übernimmt. Die Familie besitzt zudem Private-Equity-Beteiligungen und mehrere Immobilien, die in keinem der Standard-Portfolioberichte der beiden Banken aufgeführt sind.

Ein unabhängiger Vermögensverwalter kann möglicherweise die liquiden Mittel beider Banken überwachen, mit konkurrierenden Depotbanken verhandeln, Produkte verschiedener Anbieter bewerten und eine Portfolioübersicht erstellen, die sich an den Bedürfnissen der Familie orientiert und nicht an der Bilanz einer einzelnen Bank.

Diese Regelung kann die Kontinuität verbessern. Ein bei einer Privatbank beschäftigter Kundenbetreuer kann die Position wechseln, zu einem anderen Institut wechseln oder im Rahmen einer Umstrukturierung einem anderen Kundensegment zugeordnet werden. Mit einem unabhängigen Vermögensverwalter kann die Familie die Beratungsbeziehung aufrechterhalten, auch wenn sie die Depotbank wechselt. Umgekehrt kann sie den Vermögensverwalter austauschen, ohne dass die zugrunde liegenden Vermögenswerte zwangsläufig verlagert werden müssen.

Unabhängigkeit kann auch dann von Vorteil sein, wenn die Familie einen Berater wünscht, der Produktvorschläge hinterfragt, die Qualität der Ausführung vergleicht oder mehrere Spezialisten koordiniert. Ein guter unabhängiger Vermögensverwalter sollte in der Lage sein, darauf hinzuweisen, dass ein vorgeschlagenes strukturiertes Produkt unnötig komplex ist, dass eine Anlage im Privatmarkt zu illiquide wird oder dass die Familie bereits ein übermäßiges wirtschaftliches Engagement in ihrem operativen Geschäft hat.

Das Modell ist jedoch nicht automatisch umfassend. Viele unabhängige Unternehmen sind zwar stark im Portfoliomanagement, bieten aber keine konsolidierte Berichterstattung, Unterstützung bei der Unternehmensführung, Steuerkoordination oder Familienberatung an. Familien sollten sich über den genauen Leistungsumfang vergewissern, anstatt ihn allein aus dem Begriff “unabhängig” abzuleiten.

Regulierung ist wichtig, ersetzt aber nicht die Sorgfaltspflicht

Schweizer Portfoliomanager, die gewerblich tätig sind, müssen über eine Bewilligung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) verfügen und unterliegen der laufenden Aufsicht durch eine zugelassene Aufsichtsorganisation. Diese Bewilligungsregelung sieht finanzielle, organisatorische und personelle Standards vor.

Familien sollten den aufsichtsrechtlichen Status des Unternehmens direkt in den öffentlichen Registern der FINMA überprüfen. Außerdem sollten sie klären, welche juristische Person den Auftrag unterzeichnet, wo die Portfoliomanager beschäftigt sind, welche Aufsichtsbehörde zuständig ist und ob das Unternehmen über eine Berufshaftpflichtversicherung verfügt.

Eine FINMA-Lizenz ist eine unverzichtbare Grundvoraussetzung, jedoch kein Qualitätsranking. Sie besagt nicht, dass die Anlagephilosophie eines Vermögensverwalters zur Familie passt, dass dessen Nachfolgeregelungen solide sind oder dass seine Berichterstattung komplexe private Vermögenswerte abdeckt.

Das gleiche Prinzip gilt auch für Banken. Die aufsichtsrechtliche Überwachung und die Kapitalanforderungen sind zwar wichtig, doch muss eine Familie dennoch das jeweilige Institut, die Buchführungsstelle, die Verwahrungsregelung und die Verwendung der Barmittel selbst prüfen.

Der Schweizer Einlagenschutz deckt anspruchsberechtigte Bankeinlagen bis zu 100'000 CHF pro Kunde und Bank ab. In einem Depot gehaltene Wertpapiere werden anders behandelt: Sie bleiben Eigentum des Kunden und sollten von der Konkursmasse der Bank getrennt werden. Eine Familie, die über mehrere Millionen Franken verfügt, sollte daher wissen, wie viel davon als Bareinlage gehalten wird, wie viel in getrennt verwahrte Vermögenswerte investiert ist und ob ein Produkt einen direkten Anspruch gegenüber der emittierenden Bank darstellt.

Das ist nicht nur Theorie. Die Insolvenz der FlowBank im Jahr 2024 hat in der Praxis deutlich gemacht, dass eine Schweizer Banklizenz institutionelle Risiken nicht ausschließt. Die FINMA leitete den Rückzahlungsprozess für vorrangige Einlagen und die Trennung der Kundenvermögen ein. Die Lehre daraus ist nicht, dass die Verwahrung in der Schweiz unsicher ist, sondern dass Familien den rechtlichen Charakter jedes einzelnen Vermögenswerts verstehen sollten, anstatt jeden von einer Bank ausgewiesenen Kontostand als gleichwertig zu betrachten.

Vergleichen Sie die Gesamtkosten, nicht nur eine einzelne Gebühr

Angebote von Privatbanken und unabhängigen Vermögensverwaltern lassen sich oft nur schwer miteinander vergleichen, da die Kosten an unterschiedlichen Stellen ausgewiesen werden.

Eine Privatbank mag zwar eine Pauschalverwaltungsgebühr angeben, doch sollte die Familie klären, ob darin Verwahrungsgebühren, Handelsgebühren, Wechselkursgebühren, Verwaltungsgebühren, Investmentfondsgebühren und Margen für strukturierte Produkte enthalten sind. Außerdem sollte sie erfragen, ob auf Bargeld Zinsen gutgeschrieben werden und ob bevorzugte Fondsanteils Klassen zum Einsatz kommen.

Ein unabhängiger Vermögensverwalter kann eine separate Beratungs- oder Verwaltungsgebühr erheben, während die Depotbank ihre eigenen Depot- und Transaktionskosten hinzurechnet. Der Gesamtbetrag kann niedriger sein als bei der Alternative einer Privatbank, muss es aber nicht immer sein. Ein kleiner unabhängiger Vermögensverwalter, der eine teure Depotbank nutzt und häufig handelt, kann ein unattraktives Gesamtergebnis erzielen.

Angenommen, eine Bank bietet eine jährliche Verwaltungs- und Verwahrungsgebühr von 1 Prozent auf ein Portfolio von 20 Millionen CHF an. Die scheinbaren jährlichen Kosten belaufen sich auf 200.000 CHF vor den zugrunde liegenden Produktgebühren. Ein unabhängiger Vermögensverwalter könnte 0,55 Prozent berechnen, während die Depotbank 0,25 Prozent erhebt, was eine scheinbare Gesamtsumme von 160'000 CHF ergibt. Diese Differenz von 40'000 CHF ist zwar von Bedeutung, reicht aber nicht aus, um über die Vergabe des Mandats zu entscheiden.

Die Familie muss zudem die Devisenspreads, Maklergebühren, Gebühren für den Privatmarkt, Fondskosten und etwaige Erfolgsgebühren vergleichen. Ein Portfolio, das teure hauseigene Produkte nutzt, könnte mehr kosten, als das Mandat vermuten lässt. Ebenso könnte ein Manager, der eine moderate Grundgebühr sowie eine unzureichend gestaltete Erfolgsgebühr erhebt, eher für Marktbewegungen als für echte Kompetenz belohnt werden.

Am aussagekräftigsten ist ein geschätzter Jahresaufwand in Schweizer Franken, der sich aus den voraussichtlichen Portfolio-, Handels- und Währungsaktivitäten der Familie ergibt. Die Berechnung sollte jede Ebene separat ausweisen.

Der Zugang zu einem Produkt kann ein Vorteil oder ein Warnsignal sein

Privatbanken werben häufig mit dem Zugang zu exklusiven Fonds, strukturierten Anlagen, Neuemissionen und Anlagemöglichkeiten auf dem Privatmarkt. Dieser Zugang kann unter Umständen tatsächlich von großem Wert sein, insbesondere wenn das Institut über starke Kompetenzen in den Bereichen Akquise und Due Diligence verfügt.

Exklusivität ist jedoch kein Beweis für die Eignung. Vor einer Anlage sollte die Familie verstehen, warum das Produkt in das Portfolio gehört, wie die Bank oder der Berater vergütet wird, ob es eine einfachere Alternative gibt und wie man aus der Anlage aussteigen kann.

Unabhängige Vermögensverwalter können möglicherweise ein breiteres Spektrum an Anlageprodukten anbieten, da sie Produkte verschiedener Banken und Vermögensverwalter vergleichen können. Allerdings können auch sie Beziehungen zu bevorzugten Anbietern aufbauen. Fragen Sie nach, ob sie Rückvergütungen, Vermittlungsgebühren, Research-Leistungen oder sonstige Vergütungen von Dritten erhalten. Falls Zahlungen eingehen, klären Sie, ob diese einbehalten, offengelegt oder an den Kunden weitergegeben werden.

Ein nützlicher Test besteht darin, den Berater zu bitten, drei Anlagen zu nennen, die er in Betracht gezogen, aber verworfen hat. Die Antwort verrät weitaus mehr über den Auswahlprozess als eine Liste der bereits zum Verkauf zugelassenen Produkte.

Überlegen Sie, wer die Bilanz der gesamten Familie koordinieren soll

Man sollte nicht davon ausgehen, dass eine Privatbank oder ein unabhängiger Vermögensverwalter die Funktion eines Family Office übernimmt.

Eine Bank kann zwar ein hervorragendes Portfoliomanagement bieten, hat dabei jedoch nur Einblick in die auf ihrer eigenen Plattform gehaltenen Vermögenswerte. Ein unabhängiger Vermögensverwalter kann zwar mehrere Depotkonten überwachen, verfügt jedoch möglicherweise nicht über das erforderliche Fachwissen, um in den Bereichen Familienführung, internationales Steuerrecht, Treuhandvermögen, Stiftungen, operative Gesellschaften oder Nachfolgeberatung zu beraten.

Für eine Familie, deren Vermögen größtenteils aus Finanzanlagen besteht und bei einem einzigen Institut angelegt ist, stellt dies möglicherweise kein Problem dar. Für eine Familie mit konzentrierten Unternehmensbeteiligungen, mehreren Wohnsitzen, Investitionen in Privatunternehmen und zukünftigen Erben in verschiedenen Ländern wird eine uneinheitliche Beratung jedoch zu einem erheblichen Risiko.

Die Familie sollte festlegen, wer für die vollständige Bestandsaufnahme des Familienvermögens verantwortlich ist. Es muss jemand geben, der die Zusammenhänge zwischen liquiden Anlagen, geschäftlichen Risiken, Verbindlichkeiten, Immobilien, Währungen, künftigen Kapitalabrufen und den Ausgaben der Familie versteht. Ohne diesen Überblick trifft zwar jeder Berater im Rahmen seines engen Mandats eine vertretbare Entscheidung, doch gerät die Gesamtlage der Familie dadurch zunehmend aus dem Gleichgewicht.

Fragen, die man einer Privatbank stellen sollte

Bitten Sie die Bank um Erläuterungen dazu, welche Produkte sie empfehlen kann, wie der Kundenbetreuer vergütet wird und ob interne Produkte bevorzugt werden. Fordern Sie eine vollständige Gebührenübersicht an, die auf dem voraussichtlichen Portfolio basiert, und nicht auf einer allgemeinen Gebührenordnung.

Legen Sie fest, wer Anlageentscheidungen trifft, wer den Kundenbetreuer bei Abwesenheit vertritt und wie die Kontinuität gewährleistet wird, falls diese Person das Unternehmen verlässt. Legen Sie fest, welche juristische Person die Vermögenswerte hält, wo Handelsgeschäfte ausgeführt werden und welcher Schutz für Barmittel, Wertpapiere und von Banken emittierte Produkte gilt.

Familien sollten sich außerdem erkundigen, welches Serviceniveau sie angesichts ihrer Vermögensgröße tatsächlich erhalten. Der Zugang zu erfahrenen Anlagespezialisten, privaten Transaktionen und maßgeschneiderten Kreditangeboten wird im Verkaufsprozess zwar hervorgehoben, ist in der Praxis jedoch auf größere oder rentablere Kundenbeziehungen beschränkt.

Fragen, die man einem unabhängigen Manager stellen sollte

Vergewissern Sie sich, dass das Unternehmen über eine FINMA-Bewilligung verfügt und der Aufsicht unterliegt. Erkundigen Sie sich, wem das Unternehmen gehört, ob eine Depotbank oder ein Produktanbieter eine wirtschaftliche Beteiligung hält und wie das Unternehmen neben der angegebenen Verwaltungsgebühr weitere Einnahmen erzielt.

Verlangen Sie Nachweise darüber, wie die Bank ihre Depotbanken auswählt, Gebühren aushandelt und die Auftragsausführung überprüft. Prüfen Sie, ob die Bank Konten bei mehr als einer Bank verwalten kann und ob ihre Technologie das gesamte Portfolio der Familie bündeln kann.

Die Familie sollte sich auch mit dem Schlüsselpersonenrisiko auseinandersetzen. Wer kann das Portfolio verwalten, wenn der Gründer ausfällt? Werden Anlageentscheidungen institutionell dokumentiert oder liegen sie in der Hand einer einzelnen Person? Was geschieht mit den Kundenaufträgen, wenn das Unternehmen verkauft wird?

Das Hybridmodell verdient Beachtung

Für viele wohlhabende Familien ist die stabilste Lösung keine exklusive Wahl.

Eine Familie könnte einen unabhängigen Vermögensverwalter mit der Koordinierung der Vermögensallokation beauftragen und gleichzeitig zwei Privatbanken für die Verwahrung, die Ausführung von Transaktionen und die Kreditvergabe nutzen. Eine andere Familie könnte für den Großteil ihres Vermögens eine federführende Privatbank beauftragen, aber einen unabhängigen Berater hinzuziehen, um Kosten, Risiken und die Performance der Vermögensverwalter zu überprüfen. Ein größeres Family Office könnte die Mandate auf mehrere Banken und spezialisierte Vermögensverwalter aufteilen.

Eine größere Anzahl von Anbietern führt nicht automatisch zu einer besseren Diversifizierung. Sie kann zu doppelten Anlagen, widersprüchlichen Empfehlungen und unklaren Zuständigkeiten führen. Eine hybride Lösung funktioniert nur, wenn eine Partei die Gesamtverantwortung trägt und das Mandat jedes Anbieters klar definiert ist.

Die Familie sollte wissen, wer über die strategische Vermögensaufteilung entscheidet, wer private Investitionen genehmigt, wer die Liquidität überwacht, wer die Berichterstattung zusammenfasst und wer in einer Krise handeln darf. Ohne diese Führungsstruktur könnte die Diversifizierung der Anbieter einfach zu einer Zersplitterung führen.

Entscheiden Sie sich für das Modell, das zur Familie passt, und nicht für die Marke

Eine Privatbank ist wahrscheinlich die richtige Wahl für eine Familie, die eine aus einer Hand stammende Kombination aus Depotführung, Anlageberatung, Kreditvergabe und Verwaltung durch ein etabliertes Institut sucht. Ein unabhängiger Vermögensverwalter könnte hingegen besser geeignet sein, wenn der Schwerpunkt auf einer freien Produktauswahl, Kontinuität bei den Depotbanken und einem Berater liegt, der in der Lage ist, konkurrierende Institute miteinander zu vergleichen.

Die endgültige Entscheidung sollte sich nach der Komplexität richten, nicht nach dem Prestige. Familien sollten die jeweiligen Ansprechpartner, den Auftrag, den Anlageprozess, die Kosten, Interessenkonflikte, die Verwahrungsstruktur, die Berichterstattung sowie die Nachfolgeregelungen der einzelnen Anbieter miteinander vergleichen.

Das beste Modell ist dasjenige, bei dem die Familie fünf Fragen eindeutig beantworten kann: Wer hält das Vermögen, wer entscheidet über dessen Anlage, wer wird von wem bezahlt, wer hat Einblick in die vollständige Bilanz und wer bleibt rechenschaftspflichtig, wenn sich die Umstände ändern?.

In der Schweizer Vermögensverwaltung ist Diskretion nach wie vor wichtig. Klarheit ist jedoch noch wichtiger.