Warum internationale Familien eine grenzüberschreitende Vermögensübersicht benötigen
Da sich das Familienvermögen über verschiedene Rechtsräume, Institutionen und Eigentumsstrukturen erstreckt, kann es selbst für gut beratene Auftraggeber vorkommen, dass kein einzelner Bericht den vollständigen Überblick über die Vermögenslage vermittelt.
Dies ist in der Regel auf historische Umstände zurückzuführen. Ein Unternehmen wird verkauft, doch ein Teil des Erlöses verbleibt in Form einer Earn-out-Zahlung. Es wird eine Bankbeziehung in der Schweiz aufgebaut, während ältere Konten in London, Dubai oder Singapur bestehen bleiben. Eine Immobilie wird über eine Gesellschaft erworben. Ein Private-Equity-Fonds fordert zweimal jährlich Kapital ab. Kunstwerke werden separat versichert. Ein Trust verwaltet Vermögenswerte für einen Familienzweig, während ein anderer Zweig Aktien direkt hält. Kinder studieren, arbeiten oder lassen sich in verschiedenen Ländern nieder. Die Familie betrachtet ihr Vermögen vielleicht immer noch als einen einzigen Nachlass, doch rechtlich, finanziell und steuerlich hat es sich zu mehreren miteinander verbundenen Systemen entwickelt.
A Übersicht über grenzüberschreitende Vermögenswerte ist das Dokument, das diese Systeme verdeutlicht.
Es handelt sich weder um einen rein dekorativen Vermögensbericht noch um einen Bankauszug. Eine ordnungsgemäße Vermögensübersicht zeigt, was die Familie besitzt, wer der rechtliche Eigentümer ist, wo sich das Vermögen befindet, in welcher Währung es gehalten wird, wie liquide es ist, welcher Berater dafür verantwortlich ist, welche Dokumente das Eigentumsrecht belegen und welche Rechtsordnung zukünftige Entscheidungen beeinflussen könnte.
Für Familien, die die Schweiz als Zentrum für ihre Vermögensverwaltung nutzen, ist dies besonders wichtig. Die Schweiz ist nach wie vor einer der weltweit bedeutendsten Standorte für internationales Privatvermögen. Ende 2024 verwalteten die Banken des Landes Vermögenswerte in Höhe von 9,284 Billionen CHF, darunter 4,225 Billionen CHF für im Ausland ansässige Kunden. Diese Größenordnung spiegelt die Rolle der Schweiz als vertrauenswürdiger grenzüberschreitender Standort wider, offenbart aber auch die zugrunde liegende Realität: Viele Familien, die ihre Bankgeschäfte in der Schweiz abwickeln, leben nicht ausschließlich in der Schweiz, besitzen dort keine Immobilien, investieren nicht nur dort und erben auch nicht nur in der Schweiz.
Das Portfolio kann von einer Schweizer Bank verwaltet werden. Diese hat nicht automatisch Einblick in die gesamte Familienbilanz.
Der Kontoauszug ist nicht die Vermögensübersicht
Der häufigste Fehler besteht darin, anzunehmen, dass ein konsolidierter Bankbericht das gesamte Bild widerspiegelt. Das ist selten der Fall.
Eine Privatbank kann über die von ihr gehaltenen Wertpapiere, die Bargeldbestände auf dem Konto, die Wertentwicklung eines Vollmandats, den Wert strukturierter Produkte und möglicherweise auch über die ausstehenden, durch das Portfolio besicherten Kredite berichten. Manche Banken können zudem externe Konten einbeziehen oder umfassendere Unterstützung bei der Vermögensplanung bieten. Ein Bankbericht beginnt jedoch in der Regel dort, wo die Verwahrung oder das Mandat der Bank ansetzt. Die Gesamtvermögenslage der Familie beginnt oft an anderer Stelle.
Ein Auftraggeber kann über ein umfangreiches Portfolio bei einer Schweizer Bank verfügen, darunter europäische Immobilien über eine Gesellschaft, Fonds aus dem Privatmarkt in US-Dollar, eine Minderheitsbeteiligung an einem Familienunternehmen, eine Lebensversicherung, separat gehaltene und versicherte Kunstwerke sowie Darlehen zwischen Familienmitgliedern oder verbundenen Unternehmen. In einem Bankauszug mag das liquide Portfolio diversifiziert erscheinen. In einer Vermögensübersicht können sich jedoch Sektorkonzentrationen, Währungsinkongruenzen, künftige Kapitalabrufe, begrenzte frei verfügbare Liquidität oder unklare Nachfolgeregelungen für mehrere Vermögenswerte zeigen.
Der Bankbericht beantwortet eine Frage: Was sieht dieses Institut?
Die Vermögensübersicht beantwortet eine weitere Frage: Was muss die Familie wissen, bevor sie die nächste Entscheidung trifft?
Das Eigentumsrecht ist wichtiger, als Familien glauben
Bei Privatkunden ist die Person, die von einem Vermögenswert als “unserem” spricht, nicht immer dieselbe Person, dasselbe Unternehmen oder dieselbe Struktur, die rechtlich gesehen dessen Eigentümer ist.
Eine Wohnung kann von der Familie genutzt werden, sich jedoch im Besitz eines Unternehmens befinden. Ein Portfolio kann von einer Stiftung gehalten werden. Eine private Kapitalanlage kann vom Auftraggeber persönlich gezeichnet worden sein, während die wirtschaftliche Absicht darin bestand, der nächsten Generation zu nutzen. Ein Trust kann Vermögenswerte für Begünstigte besitzen, die keine Kontrolle darüber haben. Ein Familienmitglied kann eine Vollmacht über ein Konto haben, ohne dessen rechtmäßiger Eigentümer zu sein.
Diese Unterscheidungen sind schon unter normalen Umständen von Bedeutung. Bei einem Umzug, einer Scheidung, einer Erbschaft, bei Erwerbsunfähigkeit, bei Rechtsstreitigkeiten, bei einer Steuerprüfung oder bei einem Verkauf gewinnen sie noch mehr an Bedeutung.
Eine grenzüberschreitende Vermögensübersicht sollte daher mindestens vier Konzepte voneinander trennen: rechtliches Eigentum, wirtschaftliches Eigentum, Kontrolle und wirtschaftliches Risiko. Es ist nicht zulässig, dass ein und dieselbe Person alle vier Positionen innehat.
An dieser Stelle kann die informelle Familiensprache ungenau werden. “Das Portfolio meines Sohnes”, “unser Anwesen in Frankreich” oder “das Familienunternehmen” mögen im Gespräch zwar klar sein, reichen aber für Berater, die rechtliche, steuerliche oder unternehmensführungsbezogene Entscheidungen treffen müssen, nicht aus. Die Übersicht sorgt für Präzision, ohne dass die Familie jede Diskussion in eine juristische Abhandlung verwandeln muss.
Ein sinnvoller Eintrag könnte lauten: Vermögenswert im Besitz der Firma X; Unternehmensanteile im Besitz des Trusts Y; zu den Begünstigten gehören die Kinder A, B und C; Anlageentscheidungen werden vom Treuhänder nach Rücksprache mit dem Gründer getroffen; der Steuerberater ist sowohl in der Schweiz als auch im Land, in dem sich die Immobilie befindet, zuständig. Diese Klarheit beugt späteren Unklarheiten vor.
Die Schweiz ist ein Knotenpunkt, keine Blase
Manche Familien kommen immer noch mit einer veralteten Vorstellung in die Schweiz: der Vorstellung, dass Vermögen, sobald es bei einem Schweizer Institut angelegt ist, in einer diskreten und abgeschotteten Finanzwelt verbleibt. So funktioniert moderne grenzüberschreitende Vermögensverwaltung jedoch nicht.
Die Schweiz beteiligt sich am automatischen Austausch von Informationen über Finanzkonten und unterhält AEOI-Beziehungen zu mehr als 100 Ländern und Gebieten. Schweizer Finanzinstitute erheben Informationen über meldepflichtige Konten und leiten diese über die Eidgenössische Steuerverwaltung an die entsprechenden Partnerstaaten weiter. Dies mindert die Attraktivität der Schweiz nicht. Vielmehr wird dadurch eine ordnungsgemäße Buchführung umso wichtiger.
Für internationale Familien ist die Konsequenz klar: Steuerwohnsitz, wirtschaftliches Eigentum, kontrollierende Personen und die Einstufung der Konten müssen von Anfang an korrekt sein. Wenn ein Familienmitglied von Italien in die Schweiz umzieht, ein Kind seinen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten nimmt oder eine Ausschüttung aus einem Trust an einen Begünstigten in Frankreich erfolgt, sollte die Vermögensübersicht aufzeigen, welche Berater hinzugezogen werden müssen, bevor Maßnahmen ergriffen werden.
Die Schweiz kann Stabilität, Infrastruktur und Fachwissen bieten. Sie kann jedoch die Verpflichtungen der Familie in anderen Ländern nicht aufheben. Ein Schweizer Treuhänder mag zwar ein Bestandteil der Struktur sein, doch die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Familie können nach wie vor durch das EU-Steuerrecht, britische Erbschaftsregelungen, US-amerikanische Meldepflichten, Unternehmensbeteiligungen im Nahen Osten, asiatische Nachfolgeregelungen oder das Immobilienrecht des Landes, in dem sich die Immobilien befinden, geprägt sein.
Auf der Karte sollten diese Kreuzungen zu erkennen sein.
Liquidität wird oft missverstanden
Das ausgewiesene Nettovermögen einer Familie kann sich erheblich von ihrer verfügbaren Liquidität unterscheiden.
Dies gilt insbesondere dann, wenn sich Vermögenswerte auf Immobilien, Privatunternehmen, Fonds, verpfändete Portfolios und Strukturen mit Ausschüttungsregeln verteilen. Eine Familie verfügt möglicherweise über eine beträchtliche Bilanzsumme, aber relativ wenig Liquidität, die schnell und ohne steuerliche, rechtliche, finanzielle oder governancebezogene Konsequenzen bewegt werden kann.
Eine grenzüberschreitende Vermögensübersicht sollte daher die Liquidität in praktischer Hinsicht erfassen. Kann der Vermögenswert täglich, monatlich, jährlich oder nur im Rahmen eines längeren Prozesses veräußert werden? Ist er als Sicherheit verpfändet? Besteht eine Sperrfrist? Gibt es ungedeckte Kapitalzusagen? Hat der Verkauf steuerliche Konsequenzen? Muss ein Treuhänder, ein Vorstand, ein Kreditgeber oder ein Familienrat der Transaktion zustimmen?
Nehmen wir einen Auftraggeber, dessen Schweizer Bankauszug marktfähige Wertpapiere in Höhe von 25 Millionen CHF ausweist. Auf dem Papier erscheint dies als liquide. Sind jedoch 15 Millionen CHF als Sicherheit für einen Lombardkredit verpfändet und 7 Millionen CHF faktisch für Kapitalabrufe, Steuern und Liegenschaftskosten zweckgebunden, so ist die tatsächlich frei verfügbare Liquidität deutlich geringer.
Die Vermögensübersicht sollte zwischen Bruttowert, Nettowert und verfügbarer Liquidität unterscheiden. Familien treffen oft bessere Entscheidungen, sobald diese drei Zahlen voneinander getrennt sind.
Das Währungsrisiko erfordert eine Betrachtung auf Familienebene
Grenzüberschreitende Familien leben mit mehreren Währungen, auch wenn ihre Hauptwährung der Schweizer Franken, der Euro oder der Dollar ist.
Vermögenswerte können in CHF, EUR, USD und GBP gehalten werden. Schulgebühren können in einer Währung bezahlt werden, Immobilienkosten in einer anderen und Ausgaben für den Lebensunterhalt in einer dritten. Ein Familienunternehmen erzielt möglicherweise Einnahmen in der Landeswährung, während die Anlageportfolios global diversifiziert sind. Schulden können auf eine andere Währung lauten als die Vermögenswerte, die sie finanzieren.
Eine Bank kann das Währungsrisiko innerhalb ihres eigenen Portfolios steuern, doch die Familie benötigt einen Gesamtüberblick. Ein Bericht in Schweizer Franken mag zwar die Vergleichbarkeit ausländischer Vermögenswerte ermöglichen, kann jedoch auch die Tatsache verschleiern, dass nicht alle Ausgaben und Verbindlichkeiten der Familie in Franken anfallen.
Die Übersicht sollte die Währung der Vermögenswerte, die Währung der Verbindlichkeiten und die Währung der erwarteten Ausgaben ausweisen. Außerdem sollte daraus hervorgehen, ob es sich um ein natürliches, beabsichtigtes oder zufälliges Währungsrisiko handelt. Eine in der Schweiz ansässige Familie, deren künftige Ausgaben in Schweizer Franken anfallen, mag zwar kein Problem damit haben, ein umfangreiches globales Aktienportfolio zu halten, sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, inwieweit ihre kurzfristige Liquidität von den Wechselkursen abhängt. Eine Familie, die den Kauf einer Immobilie in der Eurozone plant, sollte nicht zu spät feststellen, dass der Großteil der verfügbaren Liquidität in Dollar vorliegt und Marktbewegungen ausgesetzt ist.
Währungen sind nicht nur eine Frage der Geldanlage. Sie sind auch eine Frage des Lebensstils, der Steuern und der Liquidität.
Private Märkte machen die Karte unverzichtbar
Private-Equity-Anlagen, Private-Credit-Anlagen, Risikokapital, Infrastrukturinvestitionen und Direktinvestitionen sind in den Portfolios von Privatkunden mittlerweile weit verbreitet. Dadurch gewinnt die Vermögensaufstellung zunehmend an Bedeutung.
Eine börsennotierte Aktie hat einen Kurs. Ein privater Fonds verfügt über einen Nettoinventarwert, eine Kapitalzusage, abgerufenes Kapital, ausgeschüttetes Kapital, einen nicht eingezahlten Betrag, eine Bewertungsmethode und eine Berichtsverzögerung. Eine Direktinvestition kann mit Gesellschafterrechten, Folgeverpflichtungen, Fremdkapital, Verwässerungsrisiko und einem unbestimmten Ausstiegstermin verbunden sein.
Wenn diese Vermögenswerte nicht ordnungsgemäß erfasst werden, können Familien das Risiko unterschätzen. Möglicherweise betrachten sie den aktuellen Nettoinventarwert und ignorieren künftige Kapitalabrufe. Sie behandeln die von den Fondsmanagern gemeldeten Bewertungen möglicherweise so, als wären sie bargeldähnlich. Sie übersehen möglicherweise die Tatsache, dass mehrere Fonds ähnliche zugrunde liegende Unternehmen halten oder im selben Sektor tätig sind. Sie entscheiden sich möglicherweise für neue Anlagemöglichkeiten, ohne zu erkennen, wie viel Illiquidität bereits in der gesamten Bilanz vorhanden ist.
Eine Vermögensübersicht sollte den Namen des Fonds, das Gründungsjahr, die Zusage, das eingezahlte Kapital, die verbleibende Zusage, den aktuellen Wert, Ausschüttungen, die erwartete Laufzeit, die Berichtswährung, Steuerunterlagen und den verantwortlichen Berater enthalten. Bei Direktinvestitionen sollte sie außerdem den Beteiligungsanteil, die Gesellschafterrechte, Rechte im Vorstand oder Informationsrechte, Erwartungen hinsichtlich weiterer Finanzierungen sowie Ausstiegsbeschränkungen umfassen.
Das ist keine Bürokratie. So verhindert eine Familie, dass sie von ihrem eigenen Portfolio überrascht wird.
Strukturen werden überflüssig
Familien schaffen oft zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Strukturen und betrachten diese dann als dauerhaft. Eine Holdinggesellschaft, eine Stiftung, ein Trust oder eine Personengesellschaft mag sinnvoll gewesen sein, als der Hauptverantwortliche noch in einem Land lebte, die Kinder noch minderjährig waren und das Familienunternehmen noch aktiv war. Zehn Jahre später hat der Eigentümer möglicherweise seinen Wohnsitz in der Schweiz, die Kinder leben vielleicht im Ausland, das Unternehmen wurde möglicherweise verkauft und die Familie verfolgt möglicherweise neue philanthropische oder Nachfolgeziele.
Die Struktur könnte noch gültig sein. Sie könnte aber auch veraltet sein.
Eine grenzüberschreitende Vermögensübersicht sollte nicht nur Strukturen auflisten. Sie sollte auch aufzeigen, warum diese bestehen. Welchem Zweck dient jede einzelne Einheit? Dient sie der Nachfolgeplanung, der Unternehmensführung, steuerlichen Zwecken, dem Vermögensschutz, dem Datenschutz, philanthropischen Zwecken, der Bündelung von Investitionen oder der operativen Kontrolle? Wann wurde sie zuletzt überprüft? Welcher Berater versteht sie? Welche Dokumente regeln sie? Welche Vermögenswerte sind darin enthalten?
Dies ist besonders nützlich für Familien, die in die Schweiz umziehen. Eine Struktur, die im Rahmen eines früheren Wohnsitzes geschaffen wurde, muss möglicherweise überprüft werden, sobald sich das Steuer-, Melde- und Nachlassprofil der Familie ändert. Die Vermögensübersicht ersetzt zwar keine Rechtsberatung, zeigt jedoch auf, was überprüft werden muss und wer dafür zuständig ist.
Eine veraltete Struktur, die niemand versteht, ist nicht ausgefeilt. Sie ist der Grund für zukünftige Streitigkeiten.
Die Karte schützt die nächste Generation
Gründer unterschätzen oft, wie viel Wissen in ihrem Kopf steckt. Sie wissen, welche Immobilie ihnen emotional wichtig ist, welchem Berater man vertrauen kann, warum eine Bankbeziehung aufgebaut wurde, warum eine Anlage nicht verkauft werden sollte und welchem Familienmitglied man nicht zu früh zu viele Informationen geben sollte.
Dieses Wissen mag zwar zutreffend sein, ist aber fragil.
Die nächste Generation braucht eine Version der Familienbilanz, die auch ohne vollständige Abhängigkeit vom Gründer verständlich ist. Das bedeutet nicht, dass jeder Erbe Einsicht in jedes Dokument erhalten sollte. Informationsrechte können und sollten sorgfältig gestaltet werden. Aber eine Familie, die Kontinuität anstrebt, muss in der Lage sein, die grundlegende Struktur ihres Vermögens zu erläutern.
Die Vermögensübersicht kann diese Aufklärung unterstützen. Jüngere Familienmitglieder können lernen, dass Vermögen nicht einfach nur “Geld auf der Bank” ist, sondern ein System aus Eigentumsverhältnissen, Verpflichtungen, Rechten, Risiken und Verantwortlichkeiten. Sie können erkennen, warum Liquidität eine Rolle spielt, warum der steuerliche Wohnsitz Entscheidungen beeinflusst, warum private Vermögenswerte nicht immer verkauft werden können und warum vor größeren Transaktionen die Berater aufeinander abgestimmt werden müssen.
Richtig eingesetzt, ist die Karte nicht nur ein Kontrollinstrument, sondern auch ein Lehrmittel.
Was sollte enthalten sein?
Eine aussagekräftige grenzüberschreitende Vermögensübersicht sollte alle wesentlichen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten erfassen, nicht nur Anlageportfolios.
Dazu sollten Bankkonten, Depotkonten, Vollmacht- und Beratungsmandate, Private-Market-Fonds, Direktinvestitionen, operative Gesellschaften, Immobilien, Kunst, Schmuck, Versicherungen, Darlehen, Hypotheken, Bürgschaften, Gesellschaftervereinbarungen, Treuhandvermögen, Stiftungen, Holdinggesellschaften und gemeinnützige Vehikel gehören.
Für jeden Posten sollte die Familie den rechtlichen Eigentümer, gegebenenfalls den wirtschaftlichen Eigentümer oder die wirtschaftlichen Eigentümer, die kontrollierende Person, den Verwahrer oder Verwalter, die Gerichtsbarkeit, die Währung, die Bewertungsgrundlage, den Bewertungsstichtag, die Liquiditätsbedingungen, etwaige Verbindlichkeiten, den Steuerberater, den Rechtsberater, wichtige Dokumente und die Entscheidungsbefugnis erfassen.
Außerdem sollten darin noch ungeklärte Punkte aufgeführt werden. Fehlende Dokumente, veraltete Wertermittlungen, unklare Eigentumsverhältnisse, ruhende Gesellschaften, alte Vollmachten, nicht geprüfte Testamente, informelle Familienkredite und nicht erfasste Verpflichtungen sollten nicht verschwiegen werden. Sie sollten deutlich gekennzeichnet werden, damit die Familie Prioritäten setzen kann.
Eine Karte, die Unsicherheiten aufzeigt, ist nützlicher als eine, die so tut, als sei alles in Ordnung.
Wem sollte die Karte gehören?
Die Vermögensübersicht braucht einen Verantwortlichen. Ohne einen solchen wird sie zu einem weiteren Dokument, das zwar sechs Monate lang korrekt ist, danach aber still und leise an Wert verliert.
Der Eigentümer kann ein Family-Office-Manager, ein Multi-Family-Office, ein externer Vermögensverwalter mit einem umfassenden Mandat, ein Anbieter von konsolidierten Berichten, ein vertrauenswürdiger Berater oder ein finanziell kompetentes Familienmitglied sein, das von Fachleuten unterstützt wird. Die Aufgabe besteht nicht unbedingt darin, jede Entscheidung zu treffen. Vielmehr geht es darum, die Dokumentation auf dem neuesten Stand zu halten, sicherzustellen, dass Berater Informationen einpflegen, und darauf hinzuweisen, wenn eine Entscheidung mehrere Teile der Struktur betrifft.
Der Inhaber sollte die Übersicht nach wesentlichen Ereignissen aktualisieren: Kontoeröffnungen, Immobilienkäufe, Unternehmensverkäufe, neue Fondsbeteiligungen, Änderungen des steuerlichen Wohnsitzes, Geburten, Todesfälle, Eheschließungen, Scheidungen, größere Schenkungen, neue Verbindlichkeiten, Wechsel des Treuhänders sowie wesentliche rechtliche oder aufsichtsrechtliche Entwicklungen.
Die Übersicht sollte zudem mindestens einmal jährlich einer formellen Überprüfung unterzogen werden. Bei der jährlichen Überprüfung sollten folgende Fragen gestellt werden: Was hat sich geändert, was fehlt, was ist veraltet, welche Berater sollten einbezogen werden und welche Risiken sind noch nicht ordnungsgemäß dokumentiert?
So sieht es gut aus
Eine gut erstellte Vermögensübersicht ermöglicht der Familie eine ganz andere Art des Austauschs. Anstatt nur zu fragen: “Wie viel haben wir?”, kann die Familie nun fragen: “Wie viel davon ist liquide, wem gehört es, in welcher Währung liegt es vor, welche Verpflichtungen stehen an und bei welchen Entscheidungen ist grenzüberschreitende Beratung erforderlich?”
Die Privatbank kann ihre Arbeit effektiver erledigen, da die Familie versteht, wie sich das bei der Bank verwaltete Portfolio in das Gesamtbild einfügt. Steuerberater können bereits vor Transaktionen und nicht erst danach hinzugezogen werden. Treuhänder können Strukturen mit klarerem Zweck aufrechterhalten. Erben können schrittweise eingeweiht werden. Anbieter von Berichterstattungslösungen können Dashboards erstellen, die die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse widerspiegeln und nicht nur die bankfähigen Vermögenswerte.
Für Familien, die die Schweiz als Vermögensstandort nutzen, besteht hier der Unterschied zwischen dem bloßen Besitz von Schweizer Konten und dem Aufbau einer auf die Schweiz abgestimmten Vermögensstruktur. Ersteres bietet möglicherweise Stabilität und Service. Letzteres bietet Kontrolle.
Die Vermögensübersicht muss nicht schon vom ersten Tag an perfekt sein. Sie muss ehrlich sein. Sie sollte aufzeigen, wo die Familie Klarheit hat, wo sie sich auf Annahmen stützt und wo alte Strukturen oder fehlende Informationen später teuer werden könnten.
Komplexes Vermögen lässt sich leichter schützen, wenn man es als Ganzes betrachten kann. Eine grenzüberschreitende Vermögensübersicht ist der erste Schritt, um dies zu ermöglichen.


